Gillian Anderson

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Sexuelle Fantasien der Frauen im 21. Jahrhundert
Cover: want
dtv, München 2024
ISBN 9783423284448
Gebunden, 384 Seiten, 25,00 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Kim Köstlin. Intim, explizit, echt - Sex in den Köpfen von Frauen. Gillian Anderson brillierte zuletzt als ebenso exzentrische wie liebenswerte Sextherapeutin in der Erfolgsserie 'Sex Education'. Nun zeichnet sie nicht weniger als das Sexleben, Wünsche und Geheimnisse von Frauen aus der ganzen Welt auf. Inspiriert vom revolutionären Bestseller 'Die sexuellen Phantasien der Frauen', der von Nancy Friday zusammengestellt und 1973 erstmals veröffentlicht wurde, bat Anderson Frauen um ihre sexuellen Sehnsüchte. Dabei entstanden mehr als eintausend Manuskriptseiten, aus denen Anderson eine sorgfältig kuratierte Auswahl präsentiert und so zeigt, was es heute bedeutet, eine Frau zu sein. All die Bekenntnisse machen dieses Buch schon jetzt zu einem Klassiker für das 21. Jahrhundert.

Rezensionsnotiz zu Die Welt, 28.11.2024

Die Schauspielerin und Aktivistin Gillian Anderson hat gemeinsam mit dem britischen "Guardian" sexuelle Fantasien von Frauen weltweit gesammelt und für Kritikerin Lena Karger ist klar, dass in vielen Beziehungen ein Mangel an befriedigter Sexualität und ein Übermaß an sexueller Scham herrscht. Karger lernt von den Frauen, die sich Anderson offenbart haben, dass die Scham dabei aber sehr menschlich ist und irgendwie doch auch dazugehört, und dass Fantasien wie die, von Männern benutzt zu werden, nicht bedeuten, dass man keine Feministin ist. Die Rezensentin kommt nach der Lektüre der Schilderungen von Beziehungen, Einsamkeit und Ehen zu dem Schluss, dass der Sexualität "das Ungestillte inhärent zu sein scheint", interessant wäre für sie noch gewesen, wie alt die Schreibenden sind - um die Frage zu beantworten, ob die Psychologisierung der Sexualität etwas mit dem Alter zu tun hat.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 09.10.2024

Mit wie viel Tabu und Scham weibliche Sexfantasien in dieser Gesellschaft immer noch behaftet sind, gerade wenn es um Themen wie Unterwerfung geht, erfährt Rezensentin Kim Kindermann aus dem Buch von Gillian Anderson. Hier erzählen Frauen anonym von ihren tiefsten sexuellen Sehnsüchten und auch von ihrer Scham, diese auszusprechen oder zu leben. Dabei findet die Rezensentin die den einzelnen Kapiteln vorangestellten Einleitungen von Anderson aufschlussreich: Hier schreibt sie, dass es beispielsweise bei Unterwerfungsfantasien darum gehen kann, endlich mal alle Verantwortung abgeben zu können. So ganz klar ist Kindermann nicht, warum man hier eine Schauspielerin als Expertin heranzieht und den "Promi-Faktor" nutzt - das schmälert die Wirksamkeit dieses Bandes aber überhaupt nicht, schließt sie.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 14.09.2024

Gillian Anderson ist nicht irgendein Sexsymbol, betont Rezensentin Nele Pollatschek in ihrer Besprechung des Buches mit weiblichen Sexfantasien, das die Schauspielerin herausgegeben hat: In ihren Rollen in Serien wie "Akte X" oder "Sex Education" schwingt sie sich selbstbewusst in die Position eines begehrenswerten, sich eben nicht objektifizierbar machenden "Sexsubjekts", wie Pollatschek es nennt. So richtig neu ist die Sammlung von Briefen, die an Anderson geschrieben wurden und die die sexuellen Wünsche und Fantasien der Frauen  umfassen, nicht, und der sexualisierte Jargon geht der Kritikerin bald auf die Nerven. Dennoch ist sie irgendwie gerührt davon, wie viele Frauen sich härteren Sex wünschen, oder, "dass einfach mal jemand nett zu ihnen ist." Und dass eine der Geschichten von Anderson stammt, man aber nicht weiß, welche, macht natürlich einen zusätzlichen Reiz aus, so Pollatschek abschließend.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 12.09.2024

Rezensentin Paula Keller weiß nicht so recht, warum Gillian Anderson meint, ein weiteres Mal das Mysterium der weiblichen Lust aufklären zu müssen, in diesem Buch, das sexuelle Fantasien von Tausenden von Frauen kompiliert. Für die Rezensentin ist das ein alter Hut, der Hite-Report hat ähnliches schon in den 1970ern geleistet, Foucault die Theorie dazu geliefert, heute wird die weibliche Sexualität an jeder Ecke verhandelt. Auch die konkreten Inhalte, die Anderson versammelt, langweilen die Rezensentin eher, sie entstammen offensichtlich oft populärer Literatur und Internetpornos und nicht selten lebt das Patriarchat auf die eine oder andere Art in ihnen fort. Dass Anderson sich auf die Seite des sexpositiven Feminismus schlägt, ohne Gegenpositionen zu Wort kommen zu lassen, ist Keller ebenfalls ein Dorn im Auge. Vielleicht ist das Buch dennoch heute wieder nötig, gesteht die gleichwohl wenig angetane Rezensentin abschließend ein, weil die sexuelle Revolution derzeit wieder rückabgewickelt zu werden scheint.