In deutscher und polnischer Sprache. liedvoll, deutschyzno entstellt das Mickiewicz-Incipit "Litwo! Ojczyno ..." ("Litauen! Vaterland …") aus dem als polnisches Nationalepos geltenden Pan Tadeusz. Der verdeutschte Vokativ des Verlusts hat in seiner vorgezeichneten Überschreibung nichts mehr mit Nostalgie zu tun. Er zielt auf die Sprache und betitelt eine heteroklitische Sammlung von Gedichten, Ikonenklonen und Collagen, deren kleinster gemeinsamer Nenner Verschiebung und Metagramm sind. Einen wesentlichen Teil des Bandes bildet der Zyklus "das pulmal in vatis klematis", der aus der Beschäftigung mit dem polnisch-jüdischen Pilpul (von "pilpel", "pfeffern") hervorging. Am Anfang stand dabei eine Frage, die Spötter seit Jahrhunderten umtreibt: Warum geht Pontius Pilatus in Johannes 18.33 ins Prätorium, bevor er Jesus draußen richtet? Otfrid von Weissenburg erlaubte sich im 9. Jahrhundert als Erster den Scherz, prätorium in einer Glosse als sprâchhûs zu übersetzen - Synonym von "Abort".- Dagmara Kraus
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 24.07.2020
Rezensent Nico Bleutge stöbert sich fasziniert durch die Sprachvielfalt der Gedichte der polnischen Lyrikerin Dagmara Kraus. Wie Kraus Ideen von Heimat und Muttersprache ad absurdum führt, indem sie polnische, deutsche, französische und englische Einsprengsel mit Barockem, Kinder- und Fachsprache mischt, scheint Bleutge von alchemistischem Zauber und hochproduktiv. Wörter wie "juckfasel", semantische Verschiebungen, verdrehte Redewendungen und Bilder aus Buchstaben beschäftigen den Rezensenten noch lange.
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