Aus dem Englischen von Matthias Fienbork. Caryl Phillips verwebt in seinem Roman mehrere Geschichten. Die von Eva Stern, die als einzige ihrer Familie den Holocaust überlebt, mit der eines schwarzen Söldnergenerals im Venedig des 15. Jahrhunderts und der von drei Juden aus dem Veneto, die eines Ritualmords bezichtigt werden. Die Leitmotive wiederholen sich über die Jahrhunderte und Länder hinweg: mörderischer Rassenhaß, Traumata, die durch Verluste ausgelöst werden, die Kraft des Glaubens, Verfolgung und Verrat.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 23.08.2000
Überwiegend positiv bespricht Georg Sütterlin dieses Buch, das für ihn weniger ein Roman als vielmehr eine Sammlung von vier Erzählungen ist, die "kunstvoll" miteinander verknüpft werden. Auffallend findet er dabei, dass der Autor Parallelen zwischen der Judenverfolgung und dem Schicksal Schwarzer betont. Daran hat der Rezensent prinzipiell nichts auszusetzen, jedoch merkt er an, dass dies für einen Leser, dem Philipps` frühere Romane unbekannt sind, etwas verwirrend sein muss. Wenig begeistert zeigt sich Sütterlin von der Sprache des Autors, die er "stellenweise flach, uninspiriert" findet, allerdings lobt er die gut gezeichneten Figuren in diesem Roman und auch ein "Fluidum des Schwebenden". Dieses Schwebende begründet der Rezensent mit dem Fehlen eines zeitlichen und handlungsbezogenen Orientierungspunktes.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18.08.2000
Glaubt man Helmut Winter, dann hat Caryl Phillips in diesem Roman zu viel gewollt. Winter erzählt zunächst von Phillips` Biografie als Nachfahrer indischer Einwanderer in der Karibik und britischer Literaturprofessor, der Rassismus am eigenen Leibe erfahren habe. In seinem Roman wolle er nun die Erfahrung rassistischer Unterdrückung in einer mosaikhaft erzählten Konstruktion aus mehreren Erzählsträngen verflechten. Diese Struktur aber, die die Geschichte einer Holocaust-Überlebenden mit der Unterdrückung der Juden im Venedig des 15. Jahrhunderts und der Figur des Othello als des afrikanischen Generals in Venedig vermengen will, findet Winter zu ambitioniert und verwirrend. Phillips` Prosa werde darüber leblos. Mehr als Respekt gegenüber dem Anliegen des Romans mag Winter nicht empfinden.
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