Bettina Flitner

Meine Mutter

Roman
Cover: Meine Mutter
Kiepenheuer und Witsch Verlag, Köln 2025
ISBN 9783462008494
Gebunden, 320 Seiten, 24,00 EUR

Klappentext

Als Bettina Flitner für eine Lesung aus ihrem Buch "Meine Schwester" nach Celle zurückkehrt - dorthin, wo vor 40 Jahren ihre Mutter beerdigt wurde -, springen sie mit unerwarteter Heftigkeit Fragen an, die sie lange von sich fern gehalten hatte: Fragen nach dem großen Unglück im Leben ihrer Mutter und nach einer Familienkatastrophe in einer fernen Zeit und in einem fernen Land. Und so begibt sich Bettina Flitner auf eine Reise voller Überraschungen und Entdeckungen in den Luftkurort Wölfelsgrund im ehemaligen Niederschlesien, dem heutigen Międzygórze, wo ihre Vorfahren bis zur dramatischen Flucht 1946 ein Sanatorium besessen und geleitet haben. Aus den Erlebnissen ihrer Reise ins heutige Polen, den Tagebüchern und Dokumenten ihrer Familienmitglieder und ihren eigenen Erinnerungen an das Leben ihrer Mutter erschafft Bettina Flitner einen Familienroman, der zugleich eine nachgetragene Versöhnung mit der eigenen Mutter ist.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 29.10.2025

Bettina Flitner holt Bilder aus der Vergangenheit hervor und verleiht Leben, wo längst keines mehr ist: Rezensent Rainer Moritz spricht von "großer Offenheit." Ihr Bericht ist mehr als Autofiktion, vielmehr ein filterloses Porträt: Die mehrfach nominierte Fotografin setzt ihre persönliche Perspektive ein, wie schon in "Meine Schwester" über den Suizid ihrer Schwester. Diesmal richtet sich ihr Blick auf die eigene Mutter, die sich mit 47 Jahren das Leben nahm. Die Ich-Erzählerin Bettina will das kollektive Schweigen nicht hinnehmen und beschließt, ihrer Mutter "Gerechtigkeit widerfahren" zu lassen, lesen wir. Anhand von Tagebüchern und Fotografien rekonstruiert sie Kindheit und Jugend in Wölfelsgrund im ehemaligen Niederschlesien, wo die Urgrosseltern ein Sanatorium betrieben, bis es zu einer Familientragödie kommt, lesen wir. Flitner will auch wissen, wie sich die Familie zum Nationalsozialismus verhielt, was es beispielsweise mit dem Schicksal der Jüdin Ida Benjamin auf sich hat, die im Sanatorium versteckt wurde. Flitner zeigt sensibel, wie persönliche und historische Traumata das Leben der Mutter prägten und reflektiert zugleich die Frage, welche Belastungen von Generation zu Generation weitergegeben werden, ohne sich mit einfachen Antworten zufrieden zu geben, bekräftigt die Kritikerin. 

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 09.10.2025

Bettina Flitner kennt man als Fotografin und Regisseurin, seit wenigen Jahren schreibt sie auch autobiografische Bücher. Auf "Meine Schwester" folgt nun "Meine Mutter", diesmal vom Verlag als "Roman" ausgewiesen, wie Rezensent Adam Soboczynski mitteilt. Darin fächert die Autorin ein tief in die eigene Familiengeschichte reichendes Erzählpanorama voller Brüche, Schicksalsschläge und Traumatisierungen auf, sie schildert eine "glücklose Ärztedynastie" im Spiegel der europäischen Geschichte des 20. Jahrhunderts, die der Rezensent detailiert nacherzählt und die sich tatsächlich wie eine große Familiensaga mit Primetime-Qualitäten liest. Auf "Pomp und Drama" verzichtet Flitner allerdings, ihr Buch berührt Soboczynski "gerade deshalb", weil sie beim Erzählen Distanz wahrt. Leidtragende dieser Geschichte sind vor allem Frauen. Plumpe Dämonisierungen der Männer nimmt die Autorin dennoch nicht vor: Soboczynski lobt, wie vielfältig Flitner die "machtvollen sozialen Strukturen" nachzeichnet, die in dieser Familiengeschichte das Leben der Menschen prägen.

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