Carmen-Francesca Banciu

Berlin ist mein Paris

Geschichten aus der Hauptstadt
Cover: Berlin ist mein Paris
Ullstein Verlag, München 2002
ISBN 9783898340533
Gebunden, 200 Seiten, 18,00 EUR

Klappentext

Wie man in Berlin Paris vergessen kann. Eigentlich kreisten ihre Gedanken um Paris, das ihre Phantasie beflügelte, Paris, der Traum von einer Stadt, der sie am Leben hielt. Doch sie entschied sich für den unvollkommenen Ort Berlin, für eine Stadt im Wandel und im Werden: Spiegel der eigenen Entwicklung und Symbol des Aufbruchs in eine neue Welt. Seit zehn Jahren lebt die rumänische Autorin Carmen-Francesca Banciu in Berlin und ist inzwischen selbst zu einem Teil der Stadt geworden. In ihren autobiografischen Reportagen und literarischen Miniaturen taucht sie in das Leben der Metropole ein, streift magische Orte der Weltgeschichte und erzählt von ihren Begegnungen mit interessanten und außergewöhnlichen Menschen. Melancholische, heitere und eigenwillige Geschichten über ein Leben zwischen zwei Kulturen und über eine Stadt, die wieder begonnen hat, kosmopolisches Flair zu verströmen.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 01.02.2003

Carmen-Francesca Bancius "Geschichten aus der Hauptstadt" haben Rezensent Anton Thuswaldner nicht gerade vom Hocker gerissen. Die kleinen Texte erscheinen Thuswaldner als eine Mischung von "zur Schau gestellter Lebensweisheit und Selbstvergewisserung". Das erklärt für ihn auch den "sonoren melancholischen Ton", der über Bancius Prosa liegt. Thuswaldner hält der Autorin vor, dass sie sich geradezu zwinge, ihr Berlin zu lieben. "Sie macht die Augen weit auf", glaubt Thuswaldner, "weil alles, was auf sie einstürmt, wichtig ist. Sie hält sich dazu an, gut und schön zu finden, was ihr unterkommt." Das geht für Thuswaldner zu Lasten der Reflexion und führt überdies zu einer "penetranten Menschenfreundlichkeit und schlechtem Stil". Überhaupt schreibe Banciu nur mit halber Kraft, findet Thuswaldner. In ihrem Bestreben, nirgends anzuecken, bringe sie nur Texte zustande, die allzu lieb anzusehen seien. "Diese Prosa wird nie heiß, nie kalt", resümiert der Rezensent, "sie ist lauwarm."
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 09.01.2003

Carmen Francesca Banciu stammt aus Rumänien, und anders als die meisten traditionell frankophilen Intellektuellen ihres Landes, die wohl eher von Paris träumten, hat sie sich, als ein Leben in ihrer Heimat unmöglich geworden war, für Berlin entschieden. Berlin sei die Nahtstelle zwischen Ost und West, eine unfertige Stadt mit unübersehbaren Wunden, eine Stadt, die das Lebensgefühl einer in ihrer Heimat drangsalierten Künstlerin wohl viel besser widerspiegelt als irgendeine andere Stadt der Welt, erklärt Rezensentin Nicole Henneberg. Nachdem Banciu bisher ihre Erfahrungen in der Heimat literarisch verarbeitet hat, befasst sich ihr neustes, erstmals in deutscher Sprache verfasstes Buch mit ihrem neuen Leben im Herzen von Berlin, wo sie seit über zehn Jahren lebt. Henneberg fällt auf, dass sich Bancuis Sprache verändert hat. Ganz anders als in den früheren Werken beherrschen Leichtigkeit und Heiterkeit die neuen Erzählungen, die ihre Begeisterung für Berlin unverhohlen zum Ausdruck bringen. Nicht nur die "schnodderigen Halbsätze", typisch für den neuen Stil der Autorin, bringen dies zum Ausdruck, sondern auch die Sensibilität der Autorin für die "kleinen Wunder, über die sie stolpert", und die sie mit Details aus dem Alltag verknüpft, erläutert Henneberg. Für sie ist Banciu inzwischen eine "typische Berlinerin", deren Buch über ihre Wahlheimat sie nur empfehlen kann.
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