Nicolaus Sombart

Rumänische Reise

Ins Land meiner Mutter
Cover: Rumänische Reise
Transit Buchverlag, Berlin 2006
ISBN 9783887472092
Gebunden, 256 Seiten, 18,80 EUR

Klappentext

Die "Rumänische Reise" wird für Nicolaus Sombart zu einer Reise in das Leben seiner Mutter, Corinna Leon, die in Rumänien aufwuchs, eine große Karriere als Wissenschaftlerin vor sich hatte, dann aber plötzlich nach Berlin fortging, wo sie seinen Vater, den berühmten, erheblich älteren Professor Werner Sombart heiratete. Anlaß der Reise ist eine Einladung zu einer Internationalen Konferenz für Zukunftsforschung in Bukarest im Jahr 1972. Er soll einen Vortrag über den utopischen Revolutionär Charles Fourier halten, über das Glück und die Emanzipation in einer freien, egalitären Gesellschaft - ein ironischer Kontrast zu dem politischen Rahmen, in dem dieser Kongreß stattfindet. Ganz im Sinne Fouriers steht die Reise auch im Zeichen einer exzentrischen Liebesbeziehung - die Steigerung erotischer Erfahrungen im "Amour a trois". Im Zentrum aber steht die Geschichte seiner Mutter, seines Großvaters, der bürgerlichen Großfamilie, die Sombart als kleiner Junge in den zwanziger Jahren bei Besuchen in Rumänien mit seinen Eltern noch erlebt hatte und in euphorischer Erinnerung hielt. Er besucht das Anwesen "Crevedia", den luxuriösen Familienpalast, Schauplatz vieler familiärer - und nun, nach der Enteignung, grausam verunstaltet als Kantine für Medizinstudenten. Er begegnet Freunden und Verehrern seiner Mutter, besucht Cousinen und Cousins - und erfährt schließlich den wahren Grund der plötzlichen Flucht seiner Mutter aus Rumänien: das Geheimnis einer tragischen Liebe.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 06.02.2007

Auch in Nicolaus Sombarts "Rumänischer Reise" ist wieder alles enthalten, was die bisherigen autobiografischen Rechenschaftsberichte des libertären Dandys auszeichneten: französische Theorie Denken und viel, viel praktizierter Sex. In diesem Band erinnert er sich an seine Reise nach Rumänien, die er 1972 als Beamter des Europarats unternahm. Unter anderem will er dort einen Vortrag über Charles Fourier und seine Theorie der erotischen Freizügigkeit halten. Aber er trifft auch seine in Rumänien verbliebenen Verwandten, und von den Schilderungen dieser Begegnung ist der Rezensent einfach ergriffen: Wie schonungslos Sombart vom Elend seiner unter der Ceausescu-Diktatur darbenden Cousine berichtet, der er aber doch nicht zu einer Flucht verhelfen will. Wie schonungslos Sombart von seinen eigenen "abstoßenden Zügen" erzählt! Deswegen mag es schon stimmen, dass Nicolaus Sombart mit seinen sexuellen Eskapaden in einen "schwadronierenden Narzissmus" verfällt, dass seine Sexsucht an Peinlichkeit grenzt. Und doch, meint Alexander Cammann, ist es "nicht wahr".

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 12.06.2006

Gewissenhaft macht sich Stephan Schlak zunächst daran, die Themen dieses als Tagebuchnotizen lose verbunden Berichts einer Rumänienreise Nicolaus Sombarts von 1972 herauszufiltern, um ganz am Schuss zu gestehen, dass ihn die "Altmänner-Erotik" peinlich berührt und auch ein wenig anekelt. Der Autor, Jahrgang 1923, gilt dem Rezensenten als freizügige Ausnahmeerscheinung seiner Generation und er entpuppt sich auch in diesem Buch, das sich als Fortsetzung seiner dreiteiligen Autobiografie erweist, als später Achtundsechziger, so Schlak. So geht es dem Autor auf der Reise, die er zu einem Kongress für Zukunftsforschung unternimmt, einerseits darum, seine Freundin zu einem "flotten Dreier" zu überreden, andererseits ist er auf Spurensuche im Geburtsland seiner Mutter, schließlich versucht Sombart, sich von seinem übermächtigen Vater zu emanzipieren, erklärt der Rezensent. Unangenehm sind ihm die erotischen Details dieser Reise und er sieht in diesem Buch einmal mehr erwiesen, dass der Autor kein klassischer Vertreter seiner Generation ist, sondern der "etwas ältere Bruder der Achtundsechziger-Generation."
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