Generalfeldmarschall Colmar Freiherr v. d. Goltz (1843 - 1916) zählt zu den schillerndsten Gestalten der deutschen Militärgeschichte. Als Vordenker moderner Kriegführung und Reorganisator des osmanischen Heeres trug sein nachhaltig wirksamer Einfluss auf das türkische Offizierkorps zur Jungtürkischen Revolution (1908) und zur deutsch-osmanischen Allianz im Ersten Weltkrieg wesentlich bei. In Deutschland setzte sich der General für eine Militarisierung breitester Bevölkerungsschichten ein. Warum aber trieb ein Offizier, der das Grauen eines zukünftigen Krieges bereits zu Beginn der 1880er Jahre erkannt hatte, unentwegt zum bewaffneten Konflikt? Wie suchte er diesen Krieg mit den Mitteln eines bürgerlichen Militarismus vorzubereiten? Diese Fragen beantwortet das minutiös recherchierte Buch.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 02.07.2012
Dominik Geppert erlaubt sich kurz darüber zu spekulieren, ob Deutschland vielleicht den Ersten Weltkrieg gewonnen hätte, wenn Generalfeldmarschall von der Goltz an der Spitze des Deutschen Heeres gestanden hätte? Doch dann obsiegt der Realismus und Geppert wendet sich wieder der der Biografie zu, die Carl Alexander Krethlow diesem von "Schlachtenruhm und soldatischen Tugenden Besessenen" widmet. Nicht immer ist der Rezensent ganz einverstanden mit ihr, manchmal holt ihm der Autor zu weit aus oder deutet die Person nicht überzeugend. Aber mit großem Interesse hat er gelesen, wie Goltz, der für sich eine geradezu bürgerliche Leistungsmoral in Anspruch nahm, doch war der Freiherr zutiefst geprägt von seiner Zugehörigkeit zur preußischen Machtelite. Instruktiv scheint der Rezensent auch die Kapitel gefunden zu haben, die sich mit Goltz' Wirken als militärischer Berater im Osmanischen Reich befassen.
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