Ernst Jüngers politische Publizistik aus der Weimarer Zeit - etwa 140 Artikel in rechten Publikationen ? sind bis auf den heutigen Tag aus seinem edierten Werk ausgeklammert. In seinem ersten Artikel, wenige Wochen vor dem Hitler-Putsch 1923 im Völkischen Beobachter erschienen, pries er die "völkische Revolution" unter dem "Banner des Hakenkreuzes": die "Feder" sollte durch das "Schwert" ersetzt werden. Jünger trat in der Folgezeit als Vordenker eines "neuen", "kriegerischen" Nationalismus für eine "nationale Diktatur" ein und scheute auch nicht davor zurück, die "Ausrottung" politischer Gegner ins Auge zu fassen. Obgleich er sich 1933 dem Nationalsozialismus nicht anschloss, nahmen sich die Differenzen zur NS-Ideologie gering aus. Dazu hat Jünger, der vielfach Geehrte, bis an sein Lebensende beharrlich geschwiegen.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 01.08.2001
Mit einer Doppelrezension bespricht Lutz Hagestedt zwei Bücher zu Ernst Jünger, die - was Verehrung und Distanz betrifft - offenbar unterschiedlicher kaum sein könnten. 1.) Bruno W. Reimann'...die Feder durch das Schwert ersetzten...'. Ernst Jüngers politische Publizistik 1923-1933. (BdWi-Verlag) Hagestedt sieht in diesem Buch einen Versuch, Jünger ein "'manifestes Verhältnis' zum Nationalsozialismus nachzuweisen". Doch dies geschieht nach Diagnose des Rezensenten nicht immer seriös. Hagestedt bescheinigt dem Autor eine "plakative Parteilichkeit und unsystematische Zitier- und Interpretationsverfahren". Dennoch kann Hagestedt diesem Buch summa summarum etwas abgewinnen: Und wenn es nur der Aspekt ist, dass das Buch die "Notwendigkeit einer kritischen Revision unseres Jünger-Bildes deutlich" mache. 2.) "Die Schleife. Dokumente zum Weg von Ernst Jünger". Zusammengestellt von Armin Mohler. (Edition Antaios) Hagestedt erläutert zunächst ausführlich, dass diese Festschrift von Jüngers ehemaligem Sekretär Armin Mohler bereits 1955 zum ersten Mal erschienen ist. Mittels Bildern, Briefen und Entwürfen sollte - so der Rezensent - damals eine "Biographie am Leitfaden des Oevres" skizziert werden. Nach Ansicht Hagestedts hat dieses Schrift "viel zu Jüngers Nimbus" beigetragen. Bedauerlich findet es der Rezensent allerdings, dass der Text in der vorliegenden Neuausgabe weitgehend in der ursprünglichen Form wiedergegeben wird. Denn erstens sei dieser Text beinahe nur für "Eingeweihte" verständlich, daher hätte eine Kommentierung dem Band gut getan, findet Hagestedt. Und zweitens vermisst er an mehreren Stellen Quellennachweise. So fehle etwa der Name des Autors eine Hymne auf Jüngers 'Der Arbeiter' (1932), und auch einige politische Vorkommnisse hätten nach Hagestedts Ansicht ruhig erläutert und kommentiert werden können. Und so habe man mit dieser Neuausgabe insgesamt "eine Chance" vertan, bedauert der Rezensent.
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