Bryan Mark Rigg

Rabbi Schneersohn und Major Bloch

Eine unglaubliche Geschichte aus dem ersten Jahr des Krieges
Cover: Rabbi Schneersohn und Major Bloch
Carl Hanser Verlag, München 2006
ISBN 9783446207301
Gebunden, 327 Seiten, 24,90 EUR

Klappentext

Herbst 1939: Die Deutschen treiben die Juden im Warschauer Ghetto zusammen. Gleichzeitig macht sich Major Bloch von Berlin aus in offizieller Mission auf den Weg, um den orthodoxen Rabbi Schneersohn zu retten. Auf abenteuerlichen Wegen bringt er ihn in die USA. Bloch, Sohn eines jüdischen Vaters, kommt bei den letzten Kämpfen in Berlin ums Leben, Schneersohn stirbt 1950 in der Gewissheit, dass Gott ihn auserwählt habe, das Judentum zu retten. Eine verstörende Geschichte von Verantwortung, Fanatismus und politischem Kalkül.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 14.06.2006

Dem Rezensenten Daniel Jütte gefällt im Großen und Ganzen, wie Autor Bryan Mark Rigg die wahre Geschichte der Rettung des Rabbiners Schneersohn aufbereitet, an der erstaunlicherweise auch einige hochrangige Nazis mitgewirkt haben. Aber einige Schludereien stören ihn, und auch dass der Autor manchmal etwas zu dick aufträgt, geriert ein wenig Unwillen beim Rezensenten. Doch mit der Linie ist Jütte im Wesentlichen einverstanden. Er lobt beispielsweise, dass Rigg sich nicht mit der Rolle des Chronisten zufrieden gibt, sondern auch mit Bewertungen bereithält - etwa, wenn es darum geht, die Haltung des Rabbis nach seiner gelungenen Ausreise in die USA zu kritisieren. Auch werden hier keine Helden stilisiert, eher werden die Menschen in ihren "zeittypischen Verstrickungen" gezeigt. Zudem ist der Rezensent beeindruckt von der "breiten Quellenbasis", auf der diese Arbeit steht.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 03.05.2006

Alexander Jürgs ist von Brian Mark Riggs jüngstem Buch, in dem er die von NS-Admiral Canaris befohlene, abenteuerliche Flucht des Rabbis Joseph Isaak Schneersohn, dem geistlichen Oberhaupt der Warschauer Lubawitscher, in die USA schildert, äußerst gefesselt. "Spannend und mit großem dramaturgischen Gespür" erzähle der amerikanische Historiker von den seltsamen Umständen, die Canaris dazu brachten, den damaligen Major Ernst Bloch zum Aufspüren Schneersohns nach Warschau zu schicken, auch wenn Riggs über die Gründe für die Fluchthilfe durch die Nazis für einen Juden nur "spekulieren" kann, so der Rezensent gebannt. Er lobt das Buch dort als "lehrreich" und "anschaulich", wo es über die jüdisch-orthodoxe Glaubensrichtung der Lubawitscher informiert. Allerdings kann sich Jürgs vorstellen, dass das Titelbild, auf dem sich ein Wehrmachtssoldat und ein Rabbi einander zuwenden, für Missverständnisse sorgen wird, denn für die "suggerierte Beziehung" hat auch der Autor keine Belege zu bieten, so der Rezensent kritisch.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17.03.2006

Instruktiv findet Hans-Jürgen Döscher dieses Buch über die Rettung des polnischen Rabbiners Schneersohn 1939 aus dem Wahrschauer Getto, das der amerikanische Historiker Bryan Mark Rigg vorgelegt hat. Rigg schildere, wie es dem Major der Wehrmacht Ernst Bloch gelang, Schneersohn mit Hilfe des militärischen Nachrichtendienstes aus dem Getto zu schleusen und via Riga nach New York in Sicherheit bringen zu lassen. Döscher hebt hervor, dass diese Rettung - so spektakulär sie auch erscheinen mag - weder singulär noch "wundersam" war. Er schreibt, dass unter dem Schutzschild der Wehrmacht nicht wenige Regimegegner arbeiteten, deren Beweggründe von Widerstandswillen über Selbsttäuschung bis zu Überlebensstrategien reichte. Neues bietet das Buch nach Ansicht Döschers insbesondere zu den im US-Außenministerium verbreiteten antisemitischen Vorbehalten gegenüber jüdischen Flüchtlingen sowie zu den Hürden der amerikanischen Einwanderungsbehörden.
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