1 CD, Laufzeit ca. 72 Minuten. Aus dem Polnischen von Josef Hahn. Gelesen von Bernt Hahn. Der polnische Zeichner und Erzähler Bruno Schulz zählte zu den wichtigsten Schriftstellern des 20. Jahrhunderts. Der Nationalsozialismus hat nicht nur Schulz selbst, sondern auch die Erinnerung an ihn getötet: 1942 wurde er ins Ghetto verbannt, wenig später wurde er von einem Gestapo-Offizier auf offener Straße erschossen. In "Zimtläden" erzählt Bruno Schulz die Geschichte und das Ende einer Kaufmannsfamilie im kleinbürgerlichen Milieu Galiziens. Er erzählt sie nicht allein als ein Kaleidoskop aus realen Elementen, aus Begebenheiten, Charakteren und wirklichen Geschichten, sondern als mythische Parabel, durchdrungen von erotischer Phantastik und nachtschwarzer Mystik.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 29.04.2003
Martin Z. Schröder wundert sich über die überkorrekte Aussprache von Josef Hahn, dem es gelungen sei, alles Persönliche aus seiner Stimme zu vertreiben und sie bloß fest, männlich und neutral klingen zu lassen. Was zunächst wie eine Kritik Schröders anmutet, ist positiv gemeint. Bruno Schulz, der 1942 von der Gestapo erschossene galizische Dichter, der, wie Schröder meint, noch keinen angemessenen Rang unter den besten Autoren des 20. Jahrhunderts belege, habe schöne und wunderliche Sätze verfasst, die - jetzt kommt der Rezensent regelrecht ins Schwärmen - sicher nicht einfach zu deklamieren seien und die sein Interpret wunderbar zum Klingen bringe. Denn Hahn beherrsche nicht nur die korrekte Aussprache, sondern wisse auch das Tempo zu variieren und den Klang zu modulieren. Zum Vortrag kommen übrigens nicht alle, wohl aber einige der schönen, gruseligen und komischen Erzählungen aus Schulzes "Zimtläden".
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