Bruno Preisendörfer

Der waghalsige Reisende

Johann Gottfried Seume und das ungeschützte Leben
Cover: Der waghalsige Reisende
Galiani Verlag Berlin, Berlin 2012
ISBN 9783869710600
Gebunden, 380 Seiten, 19,99 EUR

Klappentext

Dieser Mann hat mehr erlebt als fast jeder seiner Zeitgenossen: das Glück, als hochbegabtes Bauernkind gefördert zu werden; das Unglück, mittelloser Stipendiat und damit Student zweiter Klasse zu sein, von dem ewige Dankbarkeit erwartet wird; das Pech, als zwangsrekrutierter Soldat in den Krieg nach Amerika verschifft zu werden, dreimal zu desertieren, um zweimal wieder eingefangen und zum Spießrutenlaufen verurteilt zu werden. Den polnischen Aufstand in Warschau überlebte er nur mit Glück, drei Tage hungernd, hinter Fässern versteckt auf einem Dachboden. Berühmt wurde Johann Gottfried Seume durch eine waghalsige Reise: Ohne Geld brach er im Winter 1801 zu Fuß auf und wanderte bis Syrakus. Einem Mitreisenden wurde es bald zu gefährlich, doch Seume ging weiter. Zweimal wurde er überfallen und ausgeraubt, das Messer am Hals.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 29.01.2013

Rezensent Alexander Kosenina sieht Bruno Preisendörfers Buch über den frühen Reisereporter Gottfried Seume vor allem von der Liebe zu seinem Gegenstand getragen. Etwas eigensinnig schwankt "Der waghalsige Reisende" zwischen Essay, Biografie und wissenschaftlicher Abhandlung, was Koseninas Vergnügen an der Lektüre keinen Abbruch tat. Er folgt freudig dem freigeistigen Abenteurer Seume, der im amerikanischen Unabhängigkeitskrieg kämpft und seiner Stelle als Lektor ("Klopstocks Buchstabeninspektor") durch seinen berühmten Spaziergang nach Syrakus entflieht, über Prag, Wien und Venedig, zurück über Zürich und Paris, mit "Sohlenwechsel in Palermo". Kosenina bemerkt zufrieden, dass Preisendörfer Seume durchaus auf den Zahn fühlt, denn nicht immer zeige sich der Reporter als verlässlicher Erzähler. Dass Seume aber nur 2000 von 4000 Kilometern wirklich zu Fuß gegangen ist, schmälert in Koseninas Augen aber keineswegs seine Verdienste. Hinzu kommt ja schließlich auch die Umrundung der Ostsee!
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 29.01.2013

Von nun an kann Lothar Müller an Teplice nicht vorbei, ohne den Seume-Park zu besuchen. Bruno Preisendörfers Biografie über Johann Gottfried Seume hat ihm Gelegenheit und Mittel gegeben, die Fahrten und Schriften des reisefreudigen Autors genauer kennenzulernen. Sprunghaft vor- und zurückweisend erkundet Preisendörfer laut Müller Seumes Lebensstationen und umreist zugleich dessen geistigen Horizont. Dass der Autor das Psychologisieren lässt und stattdessen lieber die republikanische Prägung Seumes genauer herausarbeitet als Distanz zur Französischen Revolution bei gleichzeitiger kritischer Haltung gegenüber Klerus und Aristokratie, scheint bei Müller für Zustimmung zu sorgen.
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