Wohl kein Text aus dem Zeitalter der klassischen deutschen Litera- tur hat eine so unglückliche Text- und Editionsgeschichte wie Johann Gottfried Seumes Apokryphen: Zu Lebzeiten Seumes konnte das 1806/7 entstandene Werk wegen seiner Freimütigkeit überhaupt nicht veröffentlicht werden, und als dann sein Verleger Johann Friedrich Hartknoch d. J. im Winter 1810, ein knappes halbes Jahr nach Seumes Tod in Teplitz, den Text für eine versteckte Veröffent- lichung im Anhang zur dritten Auflage des Spaziergangs nach Syrakus vorbereitete, konnte es mit Rücksicht auf die deutsche Zensur und die gefürchteten Franzosen nur erheblich gekürzt und entschärft erscheinen. Gut zweihundert Jahre nach ihrer verstümmelten Erstveröffentlichung und zum 250. Geburtstag von Johann Gottfried Seume liegen nun erstmals die Apokryphen vollständig in diplomatisch getreuer Fassung vor, noch dazu vermehrt um ein bislang unpubliziertes zeitgenössisches Auswahlmanuskript.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 29.01.2013
Wie sehr Johann Gottfried Seume als politischer Autor seiner Zeit eine Ausnahme darstellte, kann Gustav Seibt anhand der nunmehr erstmals, und wie der Rezensent weiß, frei von Zensur und in textkritischer Vollendung dargebotenen Aphorismen des Autors aus den Jahren 1806/1807 einschätzen. Dirk Sangmeisters Edition erfreut den Rezensenten durch umfangreiche Kommentierung, historische beziehungsweise gattungsmäßige Verortung der Texte sowie durch einen unterhaltsamen Ton, der laut Seibt nicht anders als durch Gründlichkeit zustande kommt. Eine Zeit, als Büchermachen das Leben kosten konnte, lernt unser Rezensent ebenso kennen, wie Seumes rechthaberische Seite und seine stilistischen Vorbilder, seine politische Schule wie seine Abneigung gegen Privilegien.
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