Aus dem Englischen von Rita Seuß. Mit 21 Abbildungen und 7 Karten. Muslime, Christen und Juden schufen im Süden Spaniens über acht Jahrhunderte hinweg eine höchste bemerkenswerte Zivilisation, deren große Zeugnisse - wie die Alhambra - uns mit ihrer überwältigenden Schönheit bis heute in den Bann schlagen. Brian C. Catlos legt eine neue große Darstellung vor, die zeigt, dass al-Andalus weder ein Paradies aufgeklärter Toleranz noch ein Schlachtfeld der Kulturen war. Sein Buch räumt mit Geschichtsmythen auf und belegt eindrucksvoll, wie vielschichtig die Koexistenz der Ethnien und Religionen in diesem einzigartigen Kulturraum war.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27.06.2020
Andreas Kilb ahnt schon, dass auch das Buch des Religionswissenschaftlers Brian A. Catlos nicht in der Lage sein wird, den andalusischen Kulturkampf zu befrieden. Catlos' "nüchterner", mit allerhand Kartenmaterial gestützter, linearer Blick auf Allianzen und Konflikte, auf Könige, Kalifen und den "unvermeidlichen Cid" eröffnet Kilb allerdings eine Art episodische "Streaming-Serie", einen Überblick, der Mythen dekonstruieren hilft. Stichwort: Reconquista, religiöse Toleranz.
Rezensionsnotiz zu
Die Zeit, 10.10.2019
Mit einiger Ambivalenz bespricht Friederike Quander diesen Band. So gefällt ihr einerseits, dass Brian A. Catlos die Beweggründe der Handelnden selten als religiös und vielmehr pragmatisch ausweist. Aber dann mokiert sie sich über die zwar erzählerisch zupackenden, aber "anachronistischen Vergleiche" des amerikanischen Professors, etwa des damaligen Männlichkeitswahns mit der "Gangsta-Kultur" von heute oder dem Schicksal christlicher, ausgehaltener Frauen mit den Frauen in Margret Atwoods "Report der Magd". Am stärksten spricht ihrer Meinung nach jedoch gegen diese Neuerzählung einer tausendjährigen Geschichte, dass man sich durch Hunderte Seiten ausführlichster Kampf-Nacherzählungen hindurch ackern muss, um dann am Schluss zu lesen, es habe sich ja eigentlich um eine Epoche "des kreativen Miteinanders" von Christen, Muslimen und Juden gehandelt - obwohl eben davon selten vorher die Rede war. Insofern empfindet eine enttäuschte Rezensentin das Buch denn doch eher als "verpasste Chance".
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