Bora Cosic

Die Toten

Das Berlin meiner Gedichte
Deutscher Akademischer Austauschdienst (DAAD), Berlin 2001
ISBN 9783893570959
Broschiert, 126 Seiten, 8,59 EUR

Klappentext

Aus dem Serbischen von Irena Vrkljan und Benno Meyer-Wehlack.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 04.12.2001

Nie hätte der Rezensent Karl-Markus Gauß von dem Verfasser und Exilanten Bora Cosic gedacht, dass er im hohen Alter und im Berliner Exil anfängt zu dichten. Zwei thematische Stränge macht Gauß in dem Berliner Gedichtband von Cosic aus: der eine ist der Abgesang, auf die alte Heimat, die Erinnerung, die toten Freunde; der andere bedeutet Entdeckung der neuen Heimat. Cosic führe diese beiden Stränge zusammen, erzählt Gauß, indem er der Geschichte, der Tradition, dem Gedächtnis der neuen Stadt und auch deren Toten nachgehe: er hat sich auf die Spur der anderen Emigranten begeben, die vor ihm in Berlin angekommen und vor ihm gestorben sind. Denn auch hier, in diesem Gedichtband ebenso wie in der Erzählung "Die Zollerklärung" spürt Gauß die Gewissheit des Autors, an einem Endpunkt, am Ort seines Todes angekommen zu sein. Er zitiert den Autor: "Das Hotelzimmer verlassend / schreibe ich an der Rezeption mein Testament."
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 09.10.2001

Ilma Rakusa stellt zwei neue Bücher des serbischen Schriftstellers Bora Cosic vor: "Die Toten - Das Berlin meiner Gedichte" und "Die Zollerklärung", beides Bücher - einmal in erzählter Form, einmal in Versen -, in denen der Autor, der seit ein paar Jahren in Deutschland lebt, Abschied von seiner Heimat und den dort verbliebenen Freunden nimmt. Erstmals in seinem langen Schriftstellerleben hat Cosic gedichtet: Anlass war ihm, so erzählt Rakusa, der Tod eines guten Freundes. Cosic setzte sich hin und schrieb Klagelieder - und fand solchen Gefallen daran, dass, zitiert ihn Rakusa, "ich nicht versprechen kann, dass ich mit meinem neuen Handwerk so bald wieder aufhören werde". Es blieb nicht bei den Klageliedern, Cosic fand Zugang zu neuer Sprache und neuen Bildern, die ebenso Berlin, allgemeine Zeitfragen oder Reiseeindrücke betreffen. Auch damit wird der Schriftsteller für Rakusa zu einer Art Chronist, der illusionslos, aber neugierig den Lauf der Welt beobachtet.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 23.06.2001

In einer Doppelbesprechung begutachtet Hermann Wallmann für uns einen Gedicht- sowie einen Prosaband des serbischen Schriftstellers Bora Cosic: "Die Toten", verlegt vom Berliner Künstlerprogramm des DAAD und "Die Zollerklärung", erschienen bei Suhrkamp.
1) Bora Cosic: "Die Toten"
Dieser Gedichtband, meint unser Rezensent, scheint den Verfasser selbst überrascht zu haben. Und wirklich: Ein von Wallmann zitiertes Gedicht zeigt uns den Autor staunend über das "ein ganzes Zeitalter" abwesende und plötzlich "fließende Handwerk Lyrik". Totenklagen, ein "Klagelied" auch über den Tod eines Freundes, erklärt uns Wallmann die Umstände. Doch nicht einfach Totenklagen: So intim sie auch sein mögen, es seien "Besichtigungen eines Zeitalters ... der politischen und ökonomischen Vertreibungen, der surrealen Vortäuschungen." Und hier kommt Berlin ins Spiel. Als Stätte der "inneren und der äußeren Emigration" des Dichters - "ein Berlin, wo gleichzeitig Vladimir Nabokov in einer Unterführung auf Schmetterlingsjagd geht ... und Valeria Narbikova in einer Gästewohnung der Berliner Akademie ein Wolgaschiff 'von Zimmer zu Zimmer zu ziehen' versucht."
2) Bora Cosic: "Die Zollerklärung"
Ein "ästhetisch kontrolliertes" (und laut Rezensent fabelhaft übersetztes) Buch über ungeschriebene und noch zu schreibende Bücher. Ein kafkaesker Albtraum wird erzählt. Jemand wird zu einer Inventur seiner Bibliothek veranlasst, und dieser Jemand ist der Autor selbst, wie uns Hermann Wallmann nahe legt. Es ist ein Auftrag ohne Aussicht auf Erfolg, auf ein Ende, denn "die verlangte Inventur weitet sich aus - auf ein Leben." Und darüber wachsen die Zweifel, das Ich spaltet sich - und Wallmanns Hinweis auf Cosics literarische Herkunft "aus dem Surrealismus und Dadaismus" und auf die Vergleichbarkeit dieser Prosa mit dem gleichzeitig erscheinenden Gedichtband "Die Toten" scheint Sinn zu machen.
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