Aus dem Serbokroatischen von Petra Kordmann. In Anlehnung an Goethes Römische Elegien treibt der serbokroatische Dichter sein Spiel mit den klassischen Formen der Lyrik und bedenkt sein Leben in Rom mit kunstreichen Epigrammen. Lustiges, Wüstes, Ernstes, Bitterböses, Alltägliches, Liebendes schlüpft in die Form des Sinngedichts. Fußball, Liebeskomödien und -tragödien, Verwünschungen, Begeisterungen, Trauer, Antikes, Modernstes, Hohes und Gassentratsch - nichts entgeht der ernsthaften Getragenheit der klassischen Verspaare aus Hexa- und Pentametern. Selbst die hoch tragische Niederlage der geliebten Partizanen Belgrad gegen AS Roma sieht in Distichen ziemlich komisch aus.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 28.01.2008
Die Antike liegt im Trend, meint Helmut Böttiger und macht dafür eine allgemeine Sehnsucht nach bürgerlichen Werten aus. Für die antiken Rückgriffe von Sinan Gudzevic sieht der Rezensent allerdings einen anderen Hintergrund. Der wegen der Übersetzung der "Metamorphosen" ins Serbokroatische als "Ovid von Grab" - Grab ein kleiner Ort zwischen Serbien, Montenegro und dem Kosovo - apostrophierte Dichter hat nun mit seinen "Römischen Epigrammen" einen Gedichtband vorgelegt, der den Balkankrieg in antiken Formen reflektiert. Das Epigramm ist ein nach strengen rhythmischen Regeln aufgebauter Zweizeiler, der fast immer auf eine Pointe hinausläuft, erklärt der Rezensent. Indem Gudzevic "Serbokroatisch" als Originalsprache seines Bandes benennt, eine Sprache, die mit dem Krieg aus ideologischen Gründen abgeschafft worden ist, gibt der Lyriker ein politisches und ästhetisches Statement ab, so Böttiger beeindruckt. Er räumt ein, dass die spezifischen formalen Eigenheiten der Epigramme eine Übersetzung nicht immer leicht machen. Er zeigt sich aber vom "Gestus der heiteren Gelassenheit sehr angetan, auch wenn er sie als "Tarnung" für eine bittere historische Erfahrung durchschaut.
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