Bodo Kirchhoff

Verlangen und Melancholie

Roman
Cover: Verlangen und Melancholie
Frankfurter Verlagsanstalt, Frankfuurt am Main 2014
ISBN 9783627002091
Gebunden, 448 Seiten, 24,90 EUR

Klappentext

Hinrich, dem ein "e" zum eleganteren Heinrich fehlt, findet an einem sonnigen Maitag einen Brief mit schwarzem Rand in seinem Briefkasten. Wer mag da gestorben sein? Hinrich wagt nicht, den Umschlag zu öffnen. Seit seine Frau vor neun Jahren bei einem Sturz aus 43 Metern Höhe ums Leben gekommen ist, lebt er allein. Seine Zeit als Kulturkorrespondent bei einer großen Frankfurter Zeitung liegt hinter ihm. Und so gehören seine Tage den Erinnerungen an Irene, der geliebten Mutter seiner Tochter Naomi, der Übersetzerin anspruchsvoller italienischer Literatur. Da gab es die gemeinsamen Sommer in Italien, ihre Reisen nach Rom und Pompeji, wo sie vor den berühmten Fresken der Villa dei Misteri stundenlang stehen bleiben konnten, um deren Bedeutung zu enträtseln. Und da gab es ihre Liebe zum Kino; sie mochten das Schwermütige der Schwarzweißbilder, aber ließen sich auch verführen von etwas Leichtem.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27.12.2014

Aus einem Guss und stimmig bis ins kleinste Motiv scheint Bodo Kirchhoffs Roman dem Rezensenten Hubert Spiegel. Dass der Autor auf der Höhe seiner Kunst operiert, ist für Spiegel zweifellos. Und doch bleibt da für Spiegel die Frage, ob sich dem Thema Liebe mit derartiger Perfektion zu nähern sei. Mitnichten, meint er und freut sich, dass der Autor das offenbar ähnlich sieht. Unter der glatten Oberfläche des Textes nämlich entdeckt Spiegel scharfe Kontraste und harsche Brüche, einen "Riss in den Seelen" der Figuren, nicht zuletzt in derjenigen der Hauptfigur, die sich nach dem Selbstmord der Partnerin selbst nicht mehr erkennen kann und für die Liebe, wie sich für Spiegel zeigt, eine "einsame Sache" ist.
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 16.12.2014

Hans-Jost Weyandt verbindet seine Eloge auf Bodo Kirchhoffs neuen Roman "Verlangen und Melancholie" mit einigen allgemeineren Reflexionen über das Hochhaus und die Stadt Frankfurt in der neueren deutschen Literatur. Denn das neue Buch beginnt im zehnten Stock eines Hochhaus, wo ein Kulturredakteur in Rente bei panoramatischem Cityblick über die Existenz, seine verstorbene, untreue Ehefrau und die Vitalität durchs Erzählens meditiert. Wenn wir Weyandt folgen geht es zudem um Trauer und Melancholie, auch wenn sich der Roman im Laufe der Zeit zu einem "irdisch-unterhaltsamen Gaunerstück" mausert. Dass Kirchhoff, der eigentlich vor drei Jahrzehnten mit der Gegenwart brach, ein solch pulsierendes Bild von ihr zu schaffen vermag, das imponiert dem Rezensenten ebenso wie der Respekt, mit dem Kirchhoff das "melancholische Grau" von Wilhelm Genazino überschreibt.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 09.12.2014

Roman Bucheli fühlt sich tüchtig durchgerüttelt von Bodo Kirchhoffs neuem Roman. Was der Held alles durchmacht, um am Ende doch nur unwesentlich gereift dazustehen, wie es Bucheli erscheint, geht auf keine Kuhhaut. Dass der Leser da mitunter den Faden verliert und erst über manchmal allzu kunstvolle Motivstrukturen zurückfindet, verwundert gar nicht, stört Bucheli aber auch nicht sonderlich. Denn schwungvoll und tollkühn ist dieser Autor am Werk, schreibt Bucheli, spielt virtuos mit Eros und Thanatos und zig Orten und Handlungsfäden. Wen wundert's, wenn es da etwas knarzt im dramaturgischen Gebälk, Bucheli nicht.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 01.10.2014

Beinahe zwanzig Prosawerke hat Bodo Kirchhoff schon geschrieben, und doch merkt man dem neuen Roman "Verlangen und Melancholie" an, dass er sich von den bisherigen abhebt, dass Erfahrung und Sprache hier besonders fein ineinander greifen, findet Christoph Schröder. Kirchhoff erzählt die Geschichte Hinrichs, eines Kulturredakteurs im Ruhestand, dessen Frau vor neun Jahren Selbstmord begangen hatte, berichtet der Rezensent. Als er einen schwarz umrandeten Brief in der Post findet - obwohl seines Wissens nach im Bekanntenkreis niemand gestorben ist - lässt er ihn aus Angst ungeöffnet, nimmt den Brief wie die Angst aber mit auf eine Reise, die mit alten Erinnerungen neue Assoziationen weckt, fasst Schröder zusammen. Es gehe darum, über die "zerbröselnde Zeit einen epischen Bogen zu schlagen", hat Kirchhoff dem Rezensenten verraten.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 03.09.2014

Die quälende, idealisierende Erinnerung an eine verstorbene Liebe, die Bodo Kirchhoff in diesem Roman laut Andreas Zielcke geradezu zelebriert, hat für den Rezensenten durchaus Erkenntniswert. Eindringlich scheint ihm der Verlust in all seinen Gefühlsschattierungen hier dargestellt, berührend, selbst dann, wenn der Autor dafür klischeehafte Urlaubsszenerien bemüht. Das liegt laut Rezensent daran, dass der Autor hier die Liebe selbst feiert. Wenn Kirchhoff das sprachlich auf die Spitze treibt, sind dem Rezensenten allerdings auch die Grenzen der literarischen Darstellung des Themas gegenwärtig. Und wenn der Autor auch noch das Verhältnis von Liebe und Tod auslotet und den Tod als existenziellen Grund der Liebe schildert, wird es dem Rezensenten zu viel.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 30.08.2014

Etwas überfüllt wirkt Bodo Kirchhoffs Text für Judith von Sternburg schon. Allerdings erscheint der Ex-Redakteur, dessen Leben und Lieben Kirchhoff hier ausstellt, der Rezensentin sympathisch genug und vom Autor hinlänglich kunstvoll zwischen Typisierung und Wiedererkennungswert angelegt. Die insgesamt wirksame "kühle Glaubwürdigkeit" und die "lebhafte" Handlung des Romans erfassen Sternburg etwa, wenn Kirchhoff den Kulturjournalismus und die FAZ aufs Korn nimmt oder Frankfurt und seine Bewohner unter die Lupe. Manch schöne Sentenz und manch kluge Einsicht nimmt sie aus der Lektüre auch mit.
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