Bodo Kirchhoff

Eros und Asche

Ein Freundschaftsroman
Cover: Eros und Asche
Frankfurter Verlagsanstalt, Frankfurt am Main 2007
ISBN 9783627001438
Gebunden, 278 Seiten, 19,90 EUR

Klappentext

Was ist ein Freund? Was bedeutet es, einen Freund zu haben, früh, zum Beispiel seit den Schultagen, einen sehr engen Freund, mit dem man Reisen plant, träumt, sich über Bücher austauscht, dann die ersten Liebeserfahrungen teilt, später Pläne fürs Leben schmiedet, studiert, den man dann im Erwachsenwerden immer mehr aus den Augen verliert, mit dem man nur dann und wann telefoniert, ein Freund aus alten Tagen, der irgendwann seine Arbeit aufgibt, dann schließlich auch seine bürgerliche Existenz, der immer melancholischer wird, krank, und unversehens, gerade 58-jährig stirbt.
Bodo Kirchhoff erzählt in "Eros und Asche" von seiner lebenslangen Freundschaft zu einem tragisch Begabten, der es am Ende vorzog, sich mit all seinem Wissen und all seiner Anziehung einzuschließen. Er erzählt von frühen Höhepunkten und Krisen, die bis in die Gegenwart reichen, und dem Sterben des Freundes zu einem Zeitpunkt, als die alte Intensität noch einmal Auftrieb bekam, inmitten einer eigenen intensiven Phase.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 20.11.2007

Als "würdigen Behälter" für die "archaische Schönheit des Rauchens" würdigt Rezensentin Jutta Person Bodo Kirchhoffs Roman "Eros und Asche", mit dem der Autor seines engsten Freundes gedenkt. "M.", den Kirchhoff im Internat bei einer gemeinsamen Zigarette kennen lernt, ist ein rastloser Wanderer zwischen den Welten, zunächst Arzt und dann kulturbegeisterter Berliner Bohemien. Dabei ist seine Beziehung zur Welt eins mit seiner Beziehung zum Rauchen, er will "das Leben auf Distanz bringen und gleichzeitig erotisch aussaugen". Das Leben dieses "Steppenwolfs", der sich schließlich über ein Lungenemphysem in den frühen Tod raucht, kontrastiert Bodo Kirchhoff mit seiner eigenen, eher bürgerlichen Biografie und baut so einen subtil-ironischen Kontrast zwischen Lebensgefühl der wilden 60er und der zahmen Gegenwart auf, lobt die Rezensentin.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.10.2007

Was Rezensent Andreas Kilb von diesem Buch hält, ahnt man schon aus der Unterzeile. Da heißt es "Bodo Kirchhoff versenkt eine Freundschaft im See". Interessant ist zu lesen, wie Kilb den Autor insgesamt aufs Korn nimmt. Er schätzt dessen Schreiben, vermisst aber einen außerhalb der Person des Schriftstellers liegenden Inhalt. Kein "Freundschaftsroman" sei dies, sondern ein Buch über die Sehnsucht nach Freundschaft, oder auch über das Scheitern der Erinnerung an den Freund. Denn in allem, was der Autor tue, denke und beschreibe - Reisen, Gespräche am See, Freude über den VG-Wort-Scheck - dränge sich der Alltag eines bundesdeutschen Schriftstellerlebens in den Vordergrund. "Als Dokument der Unfähigkeit", sich literarisch und ernsthaft mit der gemeinsamen Kindheit zweier Freunde zu beschäftigen, schreibt Kilb, ist dieses Buch "ein Triumph". Als Requiem jedoch ein "Häuflein Asche".
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 10.10.2007

Rezensent Rolf-Bernhard Essig preist den großartigen "Freundesliebesroman" von Bodo Kirchhoff, der die Freundschaft mit M., die Versäumnisse und Reue angesichts seines Todes und den Rückblick auf das eigene Leben in Beziehung setzt. In "Wirkung und Komposition" sei so "ein wahrhaftiger Roman" entstanden, dessen autobiografische Züge als "größtmögliche Subjektivität" für Essig Allgemeingültigkeit erreichen. Wie Filmsequenzen schneide Kirchhoff Szenen der Gegenwart und gemeinsamen Vergangenheit, seine Spurensuche, die eigene Krankheit und allgemeine Ereignisse der Zeitgeschichte ineinander, erfasse seismographisch und mit größter Genauigkeit die eigene Gedanken- und Gefühlswelt wie die des Freundes.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 04.10.2007

In Martin Lüdke hat Bodo Kirchhoffs Roman "Eros und Asche" eine Irritation ausgelöst, der er in seiner Kritik auf den Grund zu gehen sucht. Der Autor schreibt, wie schon im Untertitel anklingt, über die Geschichte seiner Freundschaft zu Internatsmitschüler M., der ihn, als er im Sterben liegt, darum gebeten habe, erklärt der Rezensent. Befremdlich daran findet Lüdke, dass der Autor trotz dieses Schreibanlasses dann doch überwiegend über sich selbst schreibt, die Geschichte dieser Jugendfreundschaft in der Gegenwart des Jahres 2006 spiegelt. Dabei ist das "Zeitalter des Narzissmus" doch vorbei, meint Lüdke, dem das Buch deshalb seltsam anachronistisch anmutet. Die Zeitsprünge zwischen der Vergangenheit und der Gegenwart sind für den Rezensenten dann auch nicht harmonisch, sondern wirken auf ihn insgesamt gezwungen. Damit wird "Eros und Asche" zum "Abgesang" auf eine spätestens mit der Globalisierung untergegangene Zeit, so der Rezensent, der sich mit dem Buch offensichtlich nicht recht anfreunden konnte.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 13.09.2007

Das jüngste Buch Bodo Kirchhoffs, in dem dieser Erinnerungen an seinen verstorbenen Freund M. und gemeinsame Erlebnisse mitteilt und nebenbei auch so allerlei aus dem Leben und dem Literaturbetrieb erzählt, kann Roman Bucheli nicht begeistern. Handelt es sich bei dem Buch um "Trauerarbeit" oder ist es vielmehr ein Quiz, bei dem die Leser die Initialen der vielen im Buch auftretenden Prominenten erraten sollen, fragt sich der Rezensent genervt. Ihm erscheint die Diskretion Kirchhoffs in diesem Fall als Wichtigtuerei, zumal der Rezensent den Eindruck erweckt, dass ihn die Interna aus der Welt des Schriftstellers, bei aller Ehrlichkeit, die der Autor dabei an den Tag legt, nicht wirklich interessieren. Abgesehen davon aber bekommt Bucheli Einblick in eine offenbar nicht immer einfache Freundschaft und das scheint ihn schon irgendwie gefesselt zu haben.
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