Blaise Cendrars, Kurt Drawert
Reisen im Rückwärtsgang
Zwei Dichter unterwegs mit der Transsibirischen Eisenbahn
Klappentext
Zwei Dichter schärfen, durch die Weite Russlands reisend, den Blick auf die Zeit: ein Westschweizer zu Beginn des 20. Jahrhunderts und an dessen Ende ein ostdeutscher Autor. Mit einem Nachwort von Fritz J. Raddatz.
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 04.10.2001
Kurt Drawerts Beobachtungen haben auf den mit "Th.R." kürzelnden Rezensenten gewirkt, als seien sie bereits vor zehn Jahren entstanden. Außerdem bemängelt der Rezensent, dass es dem Autoren gar nicht um das Land und seine Bewohner gehe, sondern er lediglich den eigenen Weltschmerz in Szene setzen wolle. Irritiert zeigt sich "Th.R." auch, dass Drawert immer "meine deutschen Reisegefährten" sagt, als käme er selbst von ganz woanders her. . Blaise Cendras Transsib-Text aus dem Jahr 1913, ein "zum surrealistischen Tagtraum" geformtes Gedicht, kommt deutlich besser weg. Schließlich gehörte Cendras auch, wie wir erfahren, zu den ersten, die das Erlebnis Transsib literarisch mitgerissen hat.
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buecher.deRezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 31.05.2001
In ihrer Rezension beschäftigt sich Iris Denneler mit drei Büchern von Kurt Drawert: "Rückseiten der Herrlichkeit" (Suhrkamp), "Reisen im Rückwärtsgang", das er zusammen mit Blaise Cendrars verfasste (Arche) und "Nacht. Fabriken. Hauser-Material und andere Prosa" (Edition Korrespondenzen).
Denneler möchte den Lesern "dringend" anraten, diesen Autor für sich zu entdecken. Die Art und Weise, wie Drawert imstande sei, "Ressentiments, unterschwellige Aggressionen, menschliche Verstrickungen" aufzuspüren, gehört für sie zum besten - und auch gewagtesten - der deutschen Gegenwartsliteratur. Bei den Reisen nach Ostdeutschland etwa (wo Drawert ursprünglich herkommt) gehe es nicht um das Reisen selbst, sondern vielmehr darum, auch Schmerzen erfahrbar zu machen, die 'Orte ehemaliger Kränkung wieder aufzusuchen', sich an das Misstrauen in der DDR, das "ständige Nur-nicht-Auffallen!", das Duckmäusertum zu erinnern. Drawert stellt sich hier, so Denneler, auch der eigenen Geschichte. Gleichzeitig sind seine Texte durchaus auch "fiktional, ja surreal", findet sie. Dass nun drei ganz unterschiedliche Bücher Drawerts erschienen sind (vermischte Prosa, erzählerische Texte und eine Erzählgedicht mit Blaise Cendrars), hat für Denneler einen Reiz ganz besonderer Art. Denn die Gegensätze, die in Drawerts Literatur eine so große Rolle spielen, wie zwischen "Fremdem und Eigenem, Erlebtem und Imaginierten", werden nun auch durch die unterschiedlichen Bücher - sowohl was den Inhalt betrifft wie auch die Aufmachung - ergänzt. Gerade solche "Interferenzen und Grenzgänge" findet Denneler äußerst typisch für Drawert, dessen Stärke sie insbesondere in Verunsicherung und Zweifel festmacht, Zweifel auch am eigenen Ich, der Sprache und am Sinn seiner eigenen Tätigkeit, was für Denneler "keineswegs bloße Rhetorik" ist.
Denneler möchte den Lesern "dringend" anraten, diesen Autor für sich zu entdecken. Die Art und Weise, wie Drawert imstande sei, "Ressentiments, unterschwellige Aggressionen, menschliche Verstrickungen" aufzuspüren, gehört für sie zum besten - und auch gewagtesten - der deutschen Gegenwartsliteratur. Bei den Reisen nach Ostdeutschland etwa (wo Drawert ursprünglich herkommt) gehe es nicht um das Reisen selbst, sondern vielmehr darum, auch Schmerzen erfahrbar zu machen, die 'Orte ehemaliger Kränkung wieder aufzusuchen', sich an das Misstrauen in der DDR, das "ständige Nur-nicht-Auffallen!", das Duckmäusertum zu erinnern. Drawert stellt sich hier, so Denneler, auch der eigenen Geschichte. Gleichzeitig sind seine Texte durchaus auch "fiktional, ja surreal", findet sie. Dass nun drei ganz unterschiedliche Bücher Drawerts erschienen sind (vermischte Prosa, erzählerische Texte und eine Erzählgedicht mit Blaise Cendrars), hat für Denneler einen Reiz ganz besonderer Art. Denn die Gegensätze, die in Drawerts Literatur eine so große Rolle spielen, wie zwischen "Fremdem und Eigenem, Erlebtem und Imaginierten", werden nun auch durch die unterschiedlichen Bücher - sowohl was den Inhalt betrifft wie auch die Aufmachung - ergänzt. Gerade solche "Interferenzen und Grenzgänge" findet Denneler äußerst typisch für Drawert, dessen Stärke sie insbesondere in Verunsicherung und Zweifel festmacht, Zweifel auch am eigenen Ich, der Sprache und am Sinn seiner eigenen Tätigkeit, was für Denneler "keineswegs bloße Rhetorik" ist.
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