Aus dem Englischen von Thomas Brückner. Binyavanga Wainaina nimmt seine Leser mit auf die Reise durch sein Leben von den 1970ern bis in die heutige Gegenwart. Er erzählt von einer Kindheit in der urbanen Mittelklasse Kenias, der Studienzeit im Südafrika des gesellschaftlichen Wandels, den ersten schriftstellerischen Versuchen bis zum literarischen Durchbruch. Starke sinnliche Erlebnisse mischen sich mit landschaftlichen Eindrücken, gleichzeitig wird die Bedeutung von Familie, Volk und Nation vor dem Hintergrund der sich wandelnden politischen Szenerie immer wieder in Frage gestellt. Ob Wainaina sich an den Haartrockner im Frisörladen seiner Mutter erinnert, an die Musik Michael Jacksons oder an ein Familientreffen in Uganda - er tut dies so liebevoll wie respektlos, so hinreißend komisch wie melancholisch und immer mit sprachlichem Witz und scharfem Blick auf die Brüche unserer Zeit.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 10.02.2014
Michael Bitala freut sich sehr über die Autobiografie des kenianischen Schriftstellers Binyavanga Wainaina. Das liegt zum einen an Wainainas einprägsamen Bildern für Neokolonialismus, Afrika-Klischees und eine Mittelstandsjugend in den Clubs von Kapstadt. Vor allem aber liegt es am klugen, unabhängigen Blick eines Mannes, der dem Rezensenten ein anderes Bild von Afrika vermittelt, anders, als wir es gewohnt sind, anders womöglich auch, als manche es wünschen. Dass der Autor seinem Buch auf der Homepage des Wunderhorn Verlags ein nicht unerhebliches Kapitel seiner Vita hinzufügt, ist für Bitala die eigentliche Sensation dieser Autobiografie. Hier nämlich bekennt sich Wainaina zu seiner Homosexualität, für einen Afrikaner ein ungeheuer mutiger Schritt, wie Bitala vermerkt. Mit diesem nachgelieferten Kapitel wird dem Rezensenten auch so manches zuvor unverständliche Detail aus diesem abwechslungsreichen Leben klar.
Frei von Afrika-Klischees findet Carla Baum die Memoiren des kenianischen Schriftstellers Binyavanga Wainaina. Dass dies auch bedeutet, als Leser mit mancher Unverständlichkeit konfrontiert zu werden, stellt Baum bei der Lektüre fest. Nur macht ihr der Autor diesen Umstand so angenehm wie möglich, indem er konkrete Geschehnisse aus seiner Biografie mit Allgemeingültigem verknüpft und so die lebenslange Suche nach Identität in einer Stammesgesellschaft anschaulich beschreibt. Die provokante Art, in der sich Binyavanga Wainaina über die Zwänge des englischprachigen Buchmarktes lustig macht, findet Baum erfrischend.
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