Bernhard Schlink

Olga

Roman
Cover: Olga
Diogenes Verlag, Zürich 2018
ISBN 9783257070156
Gebunden, 320 Seiten, 24,00 EUR

Klappentext

Die Geschichte der Liebe zwischen einer Frau, die gegen die Vorurteile ihrer Zeit kämpft, und einem Mann, der sich mit afrikanischen und arktischen Eskapaden an die Träume seiner Zeit von Größe und Macht verliert. Erst im Scheitern wird er mit der Realität konfrontiert - wie viele seines Volks und seiner Zeit. Die Frau bleibt ihm ihr Leben lang verbunden, in Gedanken, Briefen und einem großen Aufbegehren.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17.01.2018

Rezensent Andreas Platthaus wird enttäuscht von Bernhard Schlinks neuem Roman. Die Hoffnung auf mehr als bloße Spannungsdramaturgie erfüllt sich nicht. Außer den bekannten prägnanten wie emotionalen Schlink-Sätzen bietet der Text ihm keine ästhetischen Genüsse, keinen Formanspruch. Stattdessen wieder wesentlich nur inhaltliche Schmankerl, meint Platthaus. Das bisschen mehr an Psychologie der Schuld, das der Text vermittelt, ist dem Rezensenten zu wenig. Die mehrstimmige Anlage hatte ihm mehr versprochen als das alte Spiel mit den Flüchen der deutschen Vergangenheit.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 17.01.2018

Der Roman ist ein Bilderbogen, der in Sieben-Meilen-Schritten die deutsche Geschichte der letzten hundert Jahre durcheilt und als Kollateralschaden unter anderem den Kritiker Rainer Moritz am Wegesrand zurücklässt. Halt, würde der gern rufen, angesichts der überspannten und in sich nicht mal logischen Konstruktion des Romans, der sein klappriges Gerüst laut Moritz mit klebriger Prosa nur notdürftig zusammenhält. Dabei hat Schlink für Moritz durchaus auch überraschende Stärken - immer dann, wenn er den Sauseschritt aufgibt und sich zum Beispiel auf das "Empfindungsgeflecht seiner jungen Liebenden" konzentriert. Nur leider, das scheint recht selten zu passieren.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 13.01.2018

Mit gemischten Gefühlen bespricht Rezensentin Cornelia Geissler Bernhard Schlinks neuen Roman "Olga", der ihr in drei Teilen die im Nachkriegs-Westdeutschland spielende Geschichte der Beziehung zwischen dem Gutsherrensohn Herbert und der tauben aus einfachen Verhältnissen stammenden Lehrerin Olga erzählt. Wenn Schlink Olgas Vorgeschichte von der Kindheit im Pommern des 19. Jahrhunderts über die Weimarer Republik und den Nationalsozialismus bis zu den Studentenunruhen der Bundesrepublik ausbreitet, ist der Autor natürlich ganz in seinem Element, weiß die Kritikerin. Auch dass Olga vielschichtiger und psychologisch nuancierter gezeichneter ist als manch andere Schlink-Figur gefällt der Rezensentin. Allein dass der Autor seiner Heldin zu viel "Botschaft" auf die Schultern legt, stört Geissler ein wenig.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 13.01.2018

Helmut Böttiger sieht schon de Kameraeinstellungen vor sich beim Lesen von Bernhard Schlinks neuem Roman. Diese Frauenfigur, meint er, hat einfach alles, was eine Kinoheldin braucht, sie ist geradlinieg, sympathisch, integer und stets nachvollziehbar in ihrem Gang durch die deutsche Geschichte vom Kaiserreich über den Nationalsozialismus bis zum Schicksal der Vertriebenen in der Bunderepublik. So eindeutig die Handlung für Böttiger daherkommt, so deutlich sind für ihn die formalen Tricks sichtbar, mit denen der Autor arbeitet. Am (happy) Ende des Buches ist ihm Olga als "utopisches Gegenbild" zur deutschen Geschichte ordentlich ans Herz gewachsen.
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