Auf der Grundlage der Übersetzung von Ruth und Max Fröhlich als Werkstattbuch kommentiert und herausgegeben von Erhard Brepohl. Im Jahre 1568 veröffentlichte Benvenuto Cellini (1500 - 1571), der bedeutendste Goldschmied des 16. Jahrhunderts, seine "Traktate über die Goldschmiedekunst und die Bildhauerei". Er folgte damit einer Tradition, die zurückgehend auf antike Vorbilder, seit dem Beginn der Frührenaissance in zunehmendem Maße wieder auflebte. Aus einem neuen Selbstverständnis heraus erwuchs der künstlerische Anspruch, die eigenen, technischen und künstlerischen Kenntnisse sowohl für ihre Zeitgenossen als auch für die Nachwelt festzuhalten. Mit diesem Band werden die Werkstatterfahrungen Cellinis weniger in ihrer kunsthistorischen Relevanz als vielmehr in ihrem praktischen Nutzen erschlossen. Ausführliche Kommentare erläutern die einzelnen Kapitel beider Traktate und ergänzen diese - auch indem sie den historischen und künstlerischen Kontext einbeziehen. Gehören die Arbeiten Cellinis fraglos zu den Meisterwerken der Goldschmiedekunst, ist sein Traktat gleichsam von einzigartiger Bedeutung für das Ansehen wie für die Lehre dieser Kunst.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 09.06.2006
Als Geschenk für alle Liebhaber des Bildhauers und Goldschmieds Benvenuto Cellini bezeichnet Christine Tauber diesen vom Goldschmiedemeister Erhard Brepohl neu herausgegebenen und kommentierten Band und meint damit sowohl Laien wie Fachleute. Das Hauptverdienst der Traktate (und dieser Ausgabe) sieht sie in der Eröffnung der "praktischen Seite" von Cellinis Goldschmiedekunst, zu der der Herausgeber mittels Zwischenüberschriften und Illustrationen beiträgt. Was Tauber Brepohl aber nicht durchgehen lassen möchte, ist das Fehlen eines Glossars, eine wohl nicht anders als mangelhaft zu bezeichnende Bibliografie und vor allem seine ungebremste, undifferenzierte Begeisterung für seinen Gegenstand: Den besonderen Reiz der Traktate als Mix aus "expertenzertifiziertem" Realismus und "autobiografischer Fiktion" sieht Tauber ernsthaft gefährdet, sobald wie hier diese Unterscheidung verlorengeht.
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