Benjamin Lebert

Im Winter dein Herz

Roman
Cover: Im Winter dein Herz
Hoffmann und Campe Verlag, Hamburg 2012
ISBN 9783455403602
Gebunden, 156 Seiten, 18,99 EUR

Klappentext

In einem schwarzen Suzuki Samurai fahren sie durch ein weißes, vom Winter erfasstes Land. Es ist das Land, das man kennt, und doch ist es anders. Das Schweigen der Häuser, die verschlossenen Fensterläden erzählen von tiefen Träumen, und kaum ein Mensch zeigt sich auf den Straßen. Die drei Reisenden kennen sich nicht gut. Der Zufall hat sie zusammengeführt - jeder mit seiner Geschichte und seinen Geheimnissen -, und ihre Fahrt durch den Schnee in Richtung Süden wird zu einer Reise dorthin, wo nicht nur der Winter zu Ende geht.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 05.05.2012

Das literarische Wunderkind Benjamin Lebert ist mit seinen Figuren erwachsen geworden, konstatiert Alexandra von Arx, auch wenn die Themen die gleichen sind wie zu Zeiten von Lieberts im Alter von 17 Jahren vorgelegten Debütroman "Crazy": Frauen, Freundschaft, Liebe, die "Sehnsucht nach Geborgenheit und die Hoffnung auf Erfüllung" im Spiegel eigener biografischer Erfahrungen. Am besten gefallen der Rezensentin dann auch jene Passagen, in denen Lebert im sprachlich schlichten und offenen Stil es seiner Hauptfigur Robert gestattet, ihr Innenleben offen zu legen. Nicht ganz ausgereift findet von Arx hingegen die zwar prinzipiell interessante szenarische Idee, dass sich Deutschland im Winter zur Ressourcenersparnis in den Winterschlaf begibt, eine Maßnahme, der sich Robert mit einigen Freunden entzieht, um zu seinem zu Vater zu reisen. Sehr gern hätte die Rezensentin dabei die Stille einer "Autofahrt durch ein schlafendes verschneites und magisch stilles Deutschland" genossen, allein die etwas simpel gestrickten, Lieberts Sprache in die Banalität rückenden Äußerungen der weiteren Fahrgäste stören den schönen Ausblick.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 15.03.2012

Benjamin Leberts neuer Roman "Im Winter dein Herz" hat Rezensent Maximilian Probst nicht überzeugt. Er begleitet hier den hypersensiblen Journalisten Robert, der sich in einer psychiatrischen Klinik aufhält, auf einer Fantasiereise durch eine alternative Welt, in der alle Menschen dank der Einnahme von zwei Pillen Winterschlaf halten. Einzig Robert, sein kraftvoller Mitinsasse Kudowski und die heißblütige Tankstellenverkäuferin Annina reisen - ausgerüstet mit einer Winter-App - durch das verschneite Land, teilt der Kritiker mit. Im Gegensatz zu Dystopien, wie sie etwa von Cormac McCarthy oder Leif Randt beschrieben worden seien, fehle Lebert allerdings "der Mut zur Fremde". Und so beklagt der Rezensent nicht nur die blasse Schilderung dieser Traumwelt, sondern muss auch gestehen: eine Geschichte um zwei Männer und eine Frau hat er inzwischen viel zu oft gelesen.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 13.03.2012

Florian Kessler kann es kaum glauben: Es ist Benjamin Leberts voller Ernst, wenn er seinen schwer melancholischen Helden Robert auf seinen "strunzsimplen" Handlungsweg schickt, ihn mit der Welt hadern lässt und auch mit banalen Lebensweisheiten nicht geizt, stellt der Rezensent so verblüfft wie böse fest. Robert kommt wegen der Unfähigkeit zu Essen in die Psychiatrie, macht sich von dort mit zwei Mitpatienten, wie er um die dreißig Jahre alt, auf nach München durch eine Welt, die überwiegend im Winterschlaf liegt. Das "süßliche" Ende in einer Art Erweckungserlebnis auf einem Gottesdienst nimmt Kessler dann aber weder dem Autor noch seinem Helden ab, was er eher positiv wertet. Denn die bis dahin auch für den Leser peinigende Unentschlossenheit dem Leben gegenüber ist für den Rezensenten die Hauptbotschaft dieses Romans, und hier findet er Leberts Unbeirrbarkeit durchaus "respektabel" auch wenn er ihm dann doch gute Besserung wünscht.
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