Benjamin Buchholz zeigt, dass das Phänomen der Loya Jirga so einfach nicht zu fassen ist. Gestützt auf bislang unerschlossene Quellen aus Afghanistan macht Buchholz deutlich, wie die Herrschenden die Loya Jirga seit fast einem Jahrhundert nutzen. Sie dokumentierten auf den Versammlungen den eigenen Machtanspruch, ließen wichtige Beschlüsse verabschieden und schufen ein öffentliches Kommunikationsforum, mit dessen Hilfe Botschaften von Kabul aus an die afghanische Peripherie transportiert werden konnten. Jeder derartige Konvent blieb ein Spiegel der Gesellschaftsvorstellungen und der Machtkonstellation seiner Zeit und wurde entsprechend den Erfordernissen und sich ändernden symbolischen Bezügen angepasst.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22.04.2014
Es handelt sich zwar um eine etwas dröge Lektüre, wie die Rezensentin Friederike Böge unter Hinweis auf den Ursprung des Buchs in einer Dissertation bemerkt, aber um eine für Fachkräfte und alle Afghanistaninteressierte dennoch lohnende. Die Loya Dschirga sei zwar eine durchaus erfolgreiche Institution, aber darum noch längst nicht jene urdemokratische Stämmeversammlung, als die sie gerne in Medien verklärt wird. Im Grunde wurde sie erst vom Radikalreformer Amanullah in den zwanziger Jahren als Anknüpfung an die Tradition geschaffen und diente verschiedenen Regimes dazu, ihren Willen zu popularisieren und zu kommunizieren, erläutert Böge. Aber so gesehen war sie dann eben doch erfolgreich und wird, wenn man der Rezensentin glaubt, auch für die künftige Entwicklung Afghanistan von Bedeutung bleiben. Dem Autor dankt die Rezensentin für die gründliche Aufarbeitung des Themas, das für das Verständnis dieses Landes unerlässlich ist.
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