Es ist keine gute Idee, in Afghanistan einzumarschieren. Dagegen sprechen die Geografie und historische Fakten. Im 19. Jahrhundert erlitten die Briten dort die vielleicht größte Niederlage ihrer Kolonialgeschichte. In den 1980er Jahren scheiterte die Sowjetunion bei dem Versuch, das Land zu unterwerfen. Diese selbstverschuldete Niederlage trug zu ihrem Untergang bei. Doch die USA und ihre Verbündeten haben aus der Vergangenheit nichts gelernt. Ohne Plan und klare Ziele besetzten sie 2001 Afghanistan. Sie finanzierten ein korruptes Regime in Kabul, während Tausende Zivilisten bei Drohnenangriffen und nächtlichen Razzien starben. Ein Land verändern zu wollen, ohne es zu verstehen - das ist Größenwahn. Hybris am Hindukusch. Washingtons Vietnam des 21. Jahrhunderts 20 Jahre Afghanistan - und was bleibt?
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 21.02.2022
Für eine Mehrfach-Besprechung zu aktueller Afghanistan-Literatur liest die Anglistin Jasamin Ulfat-Seddiqzai auch diesen Band des Nahost-Experten Michael Lüders, dessen Blick auf die Weltlage sie mitunter schlucken lässt. Lüders zufolge hätten die USA nach dem 11. September genauso gut Hamburg angreifen können wie Afghanistan, und die demokratisch gewählte und nach dem Vormarsch der Taliban in Ausland geflohene Regierung Afghanistan findet er nicht nicht besser als Warlords oder Taliban. Zynisch findet Ulfat-Seddiqzai dies, aber nicht ahnungslos. Lüders kennt sich schon aus in der Materie, gibt sie zu.
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