"Im Geiste der Gemordeten...", im Geiste ihrer Geschwister Hans und Sophie Scholl, gründete Inge Scholl im April 1946 in Ulm eine Volkshochschule, die bald internationales Ansehen erreichte. Dieselbe Idee stand Pate bei der Gründung des "Studio Null", aus dem nach überlegungen zu einer "Geschwister-Scholl-Hochschule" später mit Otl Aicher die "Hochschule für Gestaltung" wurde. In dieser "biographie intellectuelle" der Geschwister Scholl wird der "Geist der Gemordeten" näher gefaßt.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07.02.2001
Geteilter Meinung zeigt sich Josef Henke zu diesem Buch, an das er - wie er zugibt - sehr hohe Erwartungen hatte. Gut gefällt ihm die Hinzuziehung recht umfangreichen Materials, mit dessen Hilfe die Autorin "Ursprung und Entwicklung der geistigen Ideale" der Geschwister Scholl und ihres Freundeskreises anschaulich darstelle. Dabei gewinnen seiner Ansicht nach besonders Otl Aicher und Inge, die ältere der Scholl-Schwestern, "neue, eigenständige Konturen". Auch die Einflüsse auf den Freundeskreis, etwa durch die französische Reformbewegung `renouveau catholique`, werden nach Henke hier einleuchtend aufgezeigt. Dass Schüler die Widerstandsgruppe nicht - wie viele andere Autoren - auf politische Positionen reduziert, sondern die gesamte "geistig-idealistische Grundhaltung" beleuchtet, gehört für Henke zu den besonderen Stärken des Bandes. Weniger zufrieden ist er jedoch damit, dass auch hier die Geschwister Scholl mit der `Weißen Rose` "gleichgesetzt" werden und dabei andere wichtige Persönlichkeiten nur am Rande in Erscheinung treten. Auch dass die von Inge Scholl und Otl Aicher gegründeten Bildungseinrichtungen immer wieder mit dem `Geist der Weißen Rose` in Verbindung gebracht werden, hält Henke für fragwürdig, da diese Einrichtungen seiner Ansicht nach im Laufe der Zeit eine ganz eigene Entwicklung genommen hätten.
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