Barbara Köhler

Niemands Frau

Gesänge. Mit CD
Cover: Niemands Frau
Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2007
ISBN 9783518419113
Gebunden, 112 Seiten, 16,80 EUR

Klappentext

Mit Niemands Frau kommt Barbara Köhler zurück auf die Odyssee, die älteste Geschichte vom Zurückkommen, vom Sich-Erinnern und Geschichtenerzählen, auf die Geschichte vom Einen, der sich Niemand nennt, wenn s darauf ankommt. Diese berühmteste Ausflucht der Weltliteratur wird beim Wort genommen, es wird beobachtet, wie sich Besitzverhältnisse und Beziehungsweisen ändern, wo eine andere, ihre Stimme ins Spiel kommt, Ich sagt, das Wort nimmt, wörtlich: Niemands Frau. Wo Erinnern Sich-Erinnern ist, erinnert ein Sie sich anders und an anderes als Er. Anders als seine Geschichte kann ihre auch eine von vielen sein: nicht der Faden einer Erzählung, sondern ein Gewebe, ein web, an dem Frauen (und nicht nur Penelope) schon bei Homer arbeiten, das immer wieder aufgetrennt und neu verknüpft wird, verwoben. Gedichte, Gesänge die Autorin recycelt die alten Geschichten, bringt sie wieder in Umlauf, anders, vernetzt sie gegenwärtig, in einem Gewebe von Zeiten, Sprachen und Stimmen, immer mit Blick auf und einem Ohr für the he and the she of it (Joyce).

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 07.03.2008

Rundum glücklich ist Nico Bleutge nicht mit diesem Gedichtband von Barbara Köhler. Zwar erscheint ihm der Wunsch, zu Homer zurückzugehen, zu den Anfängen des Sprechens, und dort nach einer "Sagweise" jenseits vertrauter Kategorien auszuschauen, einleuchtend. Zumal wenn es mittels eines derart "wuchtigen Gegenepos'" geschieht und die Autorin sich die "Motive der Odyssee" über das "Sprechen der weiblichen Gestalten" und die Sprache selbst "erschreibt". Doch die von Bleutge beobachtete komplexe Verknüpfung der Bezüge birgt auch Gefahren. Wenn nämlich die "Neuverdrahtung" nicht sauber gelingt oder das Material "nur lose in den Text eingezogen" wird. Dann wünscht sich der Rezensent weniger Didaktik und mehr von dem suggestiven Klang, den einige Stücke des Bandes ihm bieten.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 08.10.2007

Bei Barbara Köhler gehen Theorie und Poesie ja immer zusammen, weiß Michael Braun, dem erstere zwar manchmal zu dominant wird, der schließlich aber doch dem Zauber dieser Neu- und Gegendichtung der Odyssee erliegt. Mehr als zehn Jahre hat Köhler an ihrer in 22 Gesänge aufgeteilten Neuinterpretation der Odyssee aus weiblicher Sicht gearbeitet, wie der Rezensent informiert. Nun sind Kirke, Nausikaa, Skylla, Kalypso und Penelope am Zug, ihre Sicht der Dinge darzulegen. Unterlegt sind ihre Erzählungen mit Bezügen zu modernen Mythen oder medientechnischen Reflexionen. Mit Andrea Wolfsbergers Videoarbeit "No One's Box" und der beiliegenden von Köhler selbst "suggestiv" gestalteten Hör-CD werde das Langgedicht zu einer "lyrischen Partitur für ein poetisch-visuell-akustisches Gesamtkunstwerk".
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