Assaf Gavron

Everybody be cool

Zwei Erzählungen
Cover: Everybody be cool
Luchterhand Literaturverlag, München 2025
ISBN 9783630878058
Gebunden, 192 Seiten, 20,00 EUR

Klappentext

Aus dem Hebräischen von Stefan Siebers. Was wenn die Welt eine völlig neue ist - und nur der Mensch bleibt der alte? In einer nicht allzu fernen Zukunft steht eine junge Frau inmitten einer Pandemie in der virtuellen Schlange vor einem virtuellen Bankschalter, da geschieht das Unglaubliche: ein Banküberfall. Fiebrig versucht die Frau mithilfe von "Eiser", ihrem KI-gestützten Helfer, herauszufinden, was ein "Banküberfall" überhaupt ist. Doch je weiter die Nachforschung geht, desto unklarer wird, was eigentlich wirklich geschieht - und wie man das zweifelsfrei erkennen kann: die Wirklichkeit. Wir schreiben das Jahr 2066, als Ami Allalouf in seine Heimatstadt Dimona gerufen wird. Die Welt ist längst nicht mehr, wie sie mal war, Umweltkatastrophen und eine rasante technologische Entwicklung haben den Nahen Osten völlig verändert: Israel gehört in ein Staatengebilde mit Palästina, Jordanien, Syrien und dem Libanon, menschliche Arbeit ist nahezu überflüssig, der Wohlstand wird auf alle gleich verteilt. Doch jetzt ist Amis Vater, der sein florierendes Bauunternehmen gegen den Willen der Familie an die Allgemeinheit übergeben möchte, schwer erkrankt. Schnell wird Ami klar, dass diese Krankheit womöglich keinen natürlichen Ursprung hat...

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21.11.2025

Rezensent Jakob Hessing liest die beiden Erzählungen von Assaf Gavron mit Spannung. Den ersten Text, der Tarantinos "Pulp Fiction" in eine dystopische Zukunft verlagert, in der die Menschen nicht mehr wissen, was ein Revolver oder ein Überfall ist, findet Hessing gelungen. Schön sparsam erzählt Gavron von einer entmenschlichten Welt, wie im Vorbild bildet der Überfall die Rahmenhandlung, erklärt Hessing. Die zweite Erzählung erscheint ihm komplizierter, sie bildet eine technologische Fantasie mit Bezügen zu Shakespeares "Hamlet", meint er. Doch während der Bezug im ersten Text funktioniert, hat Hessing hier Schwierigkeiten, die Korrespondenz nachzuvollziehen.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 09.05.2025

Rezensent Carsten Hueck liest mit Assaf Gavrons "Everybody be cool" zwei kluge und überraschende Erzählungen aus einer utopischen Welt, in der jedoch sowohl die Menschen als auch die Maschinen alles andere als perfekt sind. Entstanden sind die Texte im Rahmen eines Projekts, weiß Hueck, bei dem israelische Literaturschaffende aufgerufen wurden, sich eine postkapitalistische Gesellschaft im Jahr 2066 vorzustellen. Gavron macht diese Welt in seinen Erzählungen auf unterhaltsame Weise erlebbar, eine Welt voller hilfreicher Technologien, in der sich die Staaten zwischen persischem Golf und der Türkei zur "Middle Eastern Union" zusammengeschlossen haben, in der privater Besitz limitiert ist und alle einen fairen Basislohn erhalten. Doch inwiefern ermöglicht die Utopie den Menschen, die sie bewohnen, tatsächlich ein friedliches Zusammenleben, oder anders ausgedrückt: wie macht uns eine bessere Welt zu besseren Menschen? Diese Frage stellt Gavron in seiner ersten Erzählung "Zement" - eine raffinierte Übersetzung von Shakespeares "Hamlet" in die Zukunftswelt. In "Everybody be cool" dagegen verlebt eine Frau aufgrund einer Infektion zwei Jahre in Isolation, Gesellschaft leistet ihr nur ein einfühlsamer Roboter. Auf humorvolle und spannende Weise macht der Autor hier deutlich, dass jede Technologie auch ihre Grenzen hat, so der überzeugte Rezensent.