Alexander Kluge

Sand und Zeit

Bilderatlas
Cover: Sand und Zeit
Suhrkamp Verlag, Berlin 2025
ISBN 9783518432495
Gebunden, 168 Seiten, 25,00 EUR

Klappentext

Sand entsteht über Tausende oder sogar Millionen von Jahren und zählt heute zu den begehrtesten Rohstoffen. Er ist ein Bestandteil von Beton, aber auch Mikrochips werden aus Quarzsand bzw. dem daraus gewonnenen Silizium hergestellt. Solche Mikrochips sind nicht nur in Smartphones und Laptops verbaut, sondern unter anderem auch in Drohnen, und sie werden im Bereich Automatisierung und künstliche Intelligenz genutzt. Für die Gegenwart kann das bedeuten: Drohnen zerstören im Krieg - in wenigen Sekunden - Gebäude und Straßen derart, dass nur noch Staub und Sand übrig bleiben. Ein so fein gemahlener Sand jedoch, der zum Leben und als Rohstoff nunmehr ungeeignet ist.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 02.09.2025

Durchaus fasziniert betrachtet Rezensent Lothar Müller die KI-Bilder, die Alexander Kluge in seiner neuen Veröffentlichung mitsamt seinen Bildkommentaren abdrucken lässt. Als eine "virtuelle Kamera" bezeichnet Kluge laut Müller die KI, sie ermöglicht es ihm, zum Beispiel, ein Stillleben des 17. Jahrhunderts mit Aufnahmen aus Gaza-Stadt der Gegenwart zu kombinieren. Die Kommentare verbinden ebenfalls verschiedene Zeit- und Raumebenen miteinander, Vorbild der Unternehmung ist der "Bilderatlas Mnemosyne" Aby Warburgs. Bei letzterem ging es um Aufnahmen aus dem Ersten Weltkrieg und auch Kluge beschäftigt sich in seinem eigenen Atlas vor allem mit dem Krieg, so Müller. Es geht Kluge darum, kontrafaktisch dem Schrecken Krieg den Glaube an einen guten Ausgang entgegenzusetzen, das Zauberwort dabei: "Generosität". Ein paar Einwände hat Müller schon, teils verarbeitet Kluge hier altes eigenes Material neu, hier und da schleichen sich außerdem sachliche Fehler beziehungsweise "Leerstellen" ein. Einer abschließenden Wertung enthält sich der Kritiker, gehaltvoll scheint dieser neue Kluge-Streich aber gleichwohl zu sein.