Sein Vater hatte feste Pläne: Jurist sollte Luther werden, Staatsbeamter. Stattdessen wurde er "Doktor der Heiligen Schrift" und stellte mit seinen Wittenberger Thesen Kirche und Obrigkeit in Frage. Damit brach die alte Ordnung zusammen. Bauern revoltierten, Fürsten widersetzten sich dem Kaiser, Nonnen brachen aus dem Kloster aus. Ob Luther das alles gewollt hat? Dieses Buch erzählt das Leben Martin Luthers, ein Leben in einer Zeit voller Widersprüche: Die Kirche versucht sich zu behaupten, gleichzeitig drängen Wissenschaft und Technik nach vorn, ferne Länder werden entdeckt. In dieser Zeit sucht Luther nach neuen Gewissheiten. Dreimal wurde er exkommuniziert, sein Orden entband ihn der Gelübde, der Papst verhängte den Bann über ihn und der Kaiser erklärte ihn zum Staatsfeind. Doch auch auf dem Wormser Reichstag bleibt es für Luther dabei: "Widerrufen kann ich nicht".
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 30.03.2005
Natürlich gibt es, so Angelika Overath, "17-jährige Mädchen, die, bauchnabelfrei und emphatisch, die 'Braut von Korinth' aus dem Stand deklamieren" - aber normalerweise gelten die Klassiker jungen Menschen als lästiger Pflichtstoff im ungeliebten Unterricht. Ein mögliches Vademekum: Biografien, die "Klassiker als Menschen zeigen", die sich aufgelehnt hatten "gegen die Väter, die Gesellschaft, gegen Kirche und Staat" - und die "bei allem auch unsicher" blieben! Identifikationspotential! Schließlich wurde Luther exkommuniziert und vom Papst mit einem Bann belegt. Arnulf Zitelmanns neu aufgelegtes, "wunderbares" Buch über den Reformator ist Overath zufolge ein Musterbeispiel für eine erfolgreiche Gratwanderung zwischen populistischer Banalisierung und trockenem Lesestoff: Ein wahnsinnig spannendes Buch, bei dessen Lektüre man klopfenden Herzens die Geburt einer "neuen Weltepoche" nacherleben kann - anhand der Geschichte von einem, der sich vom "verschüchterten Kind" zum "mutigen und freien Denker" entwickelte.
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