Die heutige Vorstellung von partnerschaftlicher und 'romantischer' Liebe ist historisch ein Spätprodukt. Der mit Antike und Bibel einsetzende Überblick zeigt, daß die Geschichte der praktizierten Sexualität durchaus von Liebe zeugt, aber zugleich voller Zwänge und Grausamkeiten ist. Das Christentum sah sich seit seiner Entstehung praktisch wie reflexiv herausgefordert. Es prägte gleichermaßen die Vorstellung von gleichberechtigter Partnerschaft wie auch von Lustfeindlichkeit. Inzwischen werden die kirchlichen Aussagen zur Sexualität breit kritisiert oder gänzlich zurückgewiesen. Das vorliegende Buch stellt alle kontroversen Aspekte um Ehe, Liebe und Sexualität aus historischer Perspektive dar - mit teilweise verblüffenden Einblicken: Die heute zum Weltexportartikel gewordene romantische Liebe ist ohne Christentum nicht denkbar.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.10.2015
Ein Meisterwerk historischer Anthropologie ist das Buch des Theologen Arnold Angenendt für den Rezensenten Bernhard Lang. Nicht nur, weil der Autor mit dem "European marriage pattern" eine Ehekonstellation herausarbeitet, die bereits das christliche Mittelalter anlegt. Sondern auch, da er eben nicht nur das Positive daran erörtert. Indem er die Lasten nicht verschweigt, die etwa Augustinus und Paul VI. dem Menschen aufbürdeten, als sie die Sünde des geschlechtlichen Verkehrs betonten, Homosexualität und den außerehelichen Verkehr verdammten und die Geburtenkontrolle ablehnten, jedoch zugleich optimistisch auf die Lernfähigkeit der Theologie hofft, überzeugt der Autor den Rezensenten.
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