Bartholomäus Grill, Stefan Hippler

Gott, Aids, Afrika

Eine Streitschrift
Cover: Gott, Aids, Afrika
Kiepenheuer und Witsch Verlag, Köln 2007
ISBN 9783462039252
Gebunden, 208 Seiten, 17,90 EUR

Klappentext

Mit einem Vorwort von Henning Mankell. Der Seelsorger Stefan Hippler widerlegt alle Vorurteile gegen den Katholizismus. Er hat die deutschsprachige Gemeinde in Kapstadt wiederbelebt, nimmt die Herausforderung von HIV/Aids an und leistet mit seiner Hilfsorganisation HOPE Pionierarbeit im Kampf gegen die Pandemie. Furchtlos spricht er unbequeme Wahrheiten aus - und scheut auch die Auseinandersetzung mit der Amtskirche nicht. Die meisten Priester oder kirchlichen Mitarbeiter in Afrika reagieren wortkarg, ausweichend und - man kann es nicht anders nennen - verklemmt, wenn es um die Ursachen der Seuche, die Allmacht des Aberglaubens, das Ausmaß der Vergewaltigungen oder die Verantwortungslosigkeit der afrikanischen Männer geht. Die katholische Kirche stößt immer wieder in die Posaunen der Gegenaufklärung. Kondome? Teufelszeug! Die Seuche? Eine Strafe Gottes. Seid enthaltsam! Bleibt treu! Die Sexualität ist und bleibt etwas Schmutziges, Verwerfliches. Auf einem Kontinent, in dem die sexuelle Aktivität oft schon mit zwölf beginnt, muten die Aufrufe zur Keuschheit weltfremd an.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 14.01.2008

Positiv aufgenommen hat Rezensent Rupert Neudeck dieses Buch über die Ignoranz des Vatikans gegenüber der Aids-Epidemie in Afrika, das Stefan Hippler und Bartolomäus Grill vorgelegt haben. Das aus der katholischen Sexualmoral folgende Verbot des Gebrauchs von Kondomen führt dort dazu, dass sich Aids weiterhin rasend ausbreitet. Neudeck schätzt das Buch als "ehrlich und persönlich" und unterstreicht, dass beide Autoren katholisch sind, sich mit der Haltung ihrer Kirche in diesem Punkt aber nicht abfinden wollen. Voller Respekt schildert er die Vita Stefan Hipplers, der als Priester in Kapstadt wirkt, wo er auch die Aids-Hilfsorganisation Hope Cape Town gegründet hat, und deswegen immer wieder mit seiner Kirche in Konflikt gerät. Lobend äußert sich Neudeck auch über das Vorwort Henning Mankells, der den Kampf gegen Aids als "Entscheidungsschlacht des Humanismus" begreife.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 19.12.2007

Oliver Jungen weiß diese "Streitschrift", in der der in Kapstadt als Pfarrer der deutschsprachigen Gemeinde tätige Stefan Hippler und der langjährige "Zeit"-Korrespondent für Südafrika Bartholomäus Grill gegen die repressive Verhütungspolitik des Vatikan und für eine stärkere Bekämpfung der Aids-Pandemie in Afrika eintreten, für ihr Engagement zu schätzen. Im leidenschaftlichen Eintreten für die Aids-Kranken und den Berichten von ihrer Arbeit im Kampf gegen Aids liegt für den Rezensenten auch das Verdienst dieses Buches. Schwierig dagegen erscheint dem Rezensenten, dass der Ton des Buches extrem emotional ist, und er glaubt, die theologischen Argumente, die Grill und Hippler an Benedikt XVI. richten, um ihn davon zu überzeugen, sich aktiv in die Aids-Prävention einzuschalten und von bestehenden Verhütungsgrundsätzen abzurücken, werden den Vatikan nicht umstimmen. Als weiteres Problem dieses Buches sieht Jungen die zerfaserte Zielrichtung der Schrift, die sowohl eine "Aids-Theologie" anregen, sowie Spenden für das von Hippler mit ins Leben gerufene "Hope"-Projekt sammeln will, daneben über Aids informieren und Einblick in die afrikanische Kultur vermitteln will und nicht zuletzt die Pharmaindustrie, Abu Ghraib und Guantanamo an den Pranger stellt.

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