Schöne Freunde
Roman

Carl Hanser Verlag, München 2002
ISBN
9783446202115
Gebunden, 176 Seiten, 15,90
EUR
Klappentext
"Schöne Freunde" ist ein Roman über das Ende der Kindheit.
Rezensionsnotiz zu
Die Tageszeitung, 25.02.2003
Etwas ratlos steht Gustav Mechlenburg vor diesem Roman, in dem der Österreicher Arno Geiger aus Sicht eines reichlich verschrobenen Kindes die Welt der Erwachsenen erkundet: "Tennisspielen, Umgang, geistige Struktur und Satzbau", wie Mechlenburg zitiert, aber auch die "Jämmerlichkeit der von Trunksucht und Lethargie befallen Vorbilder". Die Handlung ist eher marginal, meint der Rezensent, Geiger erzähle seine Anekdoten mal mikroskopisch genau, mal metaphorisch allgemein, mal tiefsinnig, mal komisch. Das findet Mechlenburg zwar alles sehr kunstvoll, doch weiß er am Schluss nicht, was damit eigentlich gewonnen ist. Er nennt Geiger schließlich einen außergewöhnlichen Schriftsteller, der mit "poetischer Prosa" ein "magisches Universum" eröffnen kann, von dem man nur nicht versteht, worin eigentlich sein Anliegen besteht.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 06.11.2002
Einen vielversprechenden Anfang bescheinigt Kai Martin Wiegandt dem Roman von Arno Geiger. Doch dann werde die "strukturalistische Tennisgeschichte" mit zusätzlichen Problemen überfrachtet und Wiegandt stellt fest, dass der Autor zu viel gewollt hat. Denn Geiger entwerfe eine surreale Welt, durch die "rote, gelbe, grüne Klischees" tanzen und der Rezensent zeigt sich bereit, sich in diese "Geiger-Welt", in der die Natur "von Radioaktivität nicht frei" zu sein scheint, versetzen zu lassen. So folgt Wiegandt auch den Geschichten einzelner Romanfiguren, unter denen "(in unsichtbarer Schrift): 'Jetzt bitte denken!'" stehe. Das geht dem Rezensenten nun doch zu weit, denn nicht alle Geschichten regen ihn zum Denken an. Daher fasst Wiegandt den Roman so zusammen: "Der Roman weiß von seinen Mängeln, aber es dauert lange, bis sein Drang zum Bekenntnis stärker geworden ist als sein Wille zur Literatur".
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 10.10.2002
Da geht einer mit der Absicht ans Werk, die Welt schöner, bunter und vor allem rätselhafter zu gestalten als sie in Wirklichkeit ist. Doch leider kann der in Wien lebende Arno Geiger diesem Anspruch aufgrund von "tiefen sprachlichen Nöten" nicht standhalten, wie Hans Christian Kosler abwertend feststellt. Die Schreibtechnik des Autors erinnert ihn an den Nouveau Roman und an dessen deutsche Ausführung in Peter Weiss' "Schatten des Körpers des Kutschers". Aber Geiger habe längst nicht das sprachliche Format seiner vermeintlichen Vorbilder. Er sei schlichtweg überfordert und schramme "zielsicher" am richtigen Ausdruck vorbei. "Schöne Freunde", so Kosler gnadenlos, dürften dem Autor "keinen Blumentopf einbringen".
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 08.10.2002
Sehr viel Genaues weiß man nicht: wo genau der Roman spielt und wann bleibt ebenso unbekannt wie das Alter des Jungen, der der Ich-Erzähler ist, oder das der Frau, in die er sich zu verlieben glaubt. Darum geht es: um die "Sehnsucht nach Liebe", mit der der Junge sich konfrontiert findet. Im Zentrum, so viel steht fest, steht ein Bergwerk und eine Katastrophe: ein wichtiger Schacht stürzt ein, der Junge steht am Tor zum Bergwerk und zieht den Hut, wen einer kommt, damit verdient er sein Geld. Er beobachtet die Leute, vor allem den Direktor und dessen Angestellte, von der der Junge eben glaubt, sie liebt ihn. Am Ende, nach der Katastrophe, kommt's zur allgemeinen Abreise. Der Rezensent Edo Reents fühlt sich an Kafka erinnert, "aber nicht zu aufdringlich", er weiß die "erzählerische Präzision" des Autors zu schätzen, und lobt das Werk, weil es auf alles Plakative verzichtet, als "gutes Buch".
Lesen Sie die Rezension bei
buecher.de
Rezensionsnotiz zu
Die Zeit, 02.10.2002
Verstanden hat er wohl, wie das so zugeht bei Geiger, der Markus Clauer, falls es da etwas zu verstehen gibt, - und klingt trotzdem noch wie Rudi Ratlos. Ziemlich lange verwirrt er in seiner Besprechung dann auch den Leser und bemerkt, dass der Autor in diesem, seinem "bestem und dritten Roman", sich "wieder einmal im Außenraum der Plausibilität" bewegt. Von "wuchernder Fantasie und kurzen Assoziationen" ist da die Rede, von "zusammenhanglos im Handlungsraum herumliegenden Toten", von der Unwichtigkeit der Handlung und "filmisch arrangierter Schnipselliteratur aus dem Stegreif". Das hört sich recht verworren an, und die Handlungssplitter, die Clauer mitteilt, machen den Kohl auch nicht fett. Der Hinweis auf Otto Matzerath bleibt ebenso wenig ergiebig wie die Bezeichnung Geigers als "Popschreiber, der sich um die Realität nicht schert". Hört sich ganz so an, als müsste man es selber lesen.