Arno Camenisch beschreibt in seinem Erstling das Leben von Senn, Zusenn und zweier Hirtenbuben während eines Sommers auf der Alp Stavonas am Fuße des Piz Sezner in der Surselva des Kantons Graubünden. In kurzen Prosastücken erzählt er von Kühen und Schweinen, Katzen und Hunden, der Polenta und dem Käse, dem Alkohol und den Rauchwaren, von Wind und Wetter, Mann und Frau, den Leuten aus dem Unterland und den Bauern aus den Tälern Graubündens. Dass Camenisch seine Texte nicht übersetzt, sondern auf Rätoromanisch und auf Deutsch schreibt, gibt ihnen ihren ganz eigenen Klang, in der Rauheit und Melodiösität, Kraft und Zartheit eine suggestive Verbindung eingehen. Distanz und Nähe sind auch die bezeichnenden Momente von Camenischs Beschreibungskunst: Alles ist sehr nah und genau gesehen, und doch wird nichts bloßgestellt, kann alles diskret bleiben und sich in seiner Unmittelbarkeit bergen.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 11.06.2009
Ganz hingerissen ist Angelika Overath von Arno Camenischs Debüt "Sez Ner", einer "lockeren Szenenfolge" über das Leben auf der Alp Stavonas am Fuß des Piz Sezner. Sie bescheinigt dem Autor, sich einzulassen auf das "Männerbiotop" eines Alpsommers, jenseits von konventioneller Bergromantik, aber auch jenseits von altbekannter Idyllenkritik. Besonders lobt sie die "zärtliche Lakonie" und das "poetische Können", mit der Camenisch vom "Alltag zwischen Kuh und Käse" und der "Mühe der Älpler" erzählt, von skeptischen Bauern, dem Tierarzt, dem Mofa fahrenden Pfarrer und einigen Touristen. Der Blick des Autors auf diese Welt ist für Overath immer ein so "intimer" wie "diskreter". Besonders reizvoll findet sie die Zweisprachigkeit des Buchs, das neben der deutschen auch eine romanische Fassung enthält. Für Overath eines der "frischesten" Bücher der Saison, "vielleicht das ungewöhnlichste Buch".
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