Antonio Orejudo

Feuertäufer

Roman
Cover: Feuertäufer
Albrecht Knaus Verlag, München 2006
ISBN 9783813502664
Gebunden, 253 Seiten, 18,00 EUR

Klappentext

Aus dem Spanischen von Christian Hansen. Als Bernd Rothmann an diesem Sonntag des Jahres 1535 die Kanzel des Doms zu Münster besteigt, weiß sein Förderer Bischof Frederick noch nicht, dass er einen aufrührerischen Geist an seiner Brust genährt hat. Denn Bernd berichtet offen der begierig lauschenden Menge, wie er dem Bischof zu Diensten sein musste; er geißelt die verkommene Institution Kirche und ruft dazu auf, sie unbarmherzig niederzubrennen. Der Geist der Revolte hat in der Stadt wie in Europa bereits Fuß gefasst. In Münster scharen die Wiedertäufer die Unzufriedenen um sich. Eine Weile gehört Rothmann zu ihren führenden Köpfen. Doch angewidert von Blutrausch und Machtgier flüchtet er in eine ebenso leidenschaftliche wie gefährliche Liaison. Als die Katholischen die Stadt überrennen und alle Wiedertäufer niedermetzeln, bleibt Rothmann verschwunden. Jahre später, das Netz der Inquisition ist wieder dicht geknüpft, taucht eine gefährlich kluge Ketzerschrift auf. Die Kirche ist beunruhigt. Der französische Großinquisitor wendet sich an Joachim Pfister, der die Anführer des Aufstands gegen die katholische Kirche wie kein zweiter kennt. Er war einer von ihnen. Längst hat er sich an die Inquisition verkauft. Seiner Meinung nach lohnt es sich nicht, für eine Idee zu sterben. Doch dann begegnet er einem Mann, der ihn mit den Träumen von damals, dem Traum von einer freieren Welt und einem menschengerechteren Leben, konfrontiert. Joachim Pfister, der einst Bernd Rothmann war, bekommt eine zweite Chance.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 23.10.2006

Florian Borchmeyer stellt den seiner Meinung nach fesselndsten spanischen Roman des vergangenen Jahres vor, weist aber vorsorglich darauf hin, dass er nicht in Spanien spielt. Antonio Orejudo macht vielmehr die Wiedertäufer im Münster des 16. Jahrhunderts zum Mittelpunkt des Interesses und schildert deren Rebellion gegen die katholische Kirche, erklärt der Rezensent. Jedoch werde nach einem Drittel des Buches die Handlung unerwartet in das Frankreich einige Jahrzehnte später verlagert, so der Rezensent weiter, und auch das Genre wechsle von einem Historien- zu einem Kriminalroman. Zudem fallen Borchmeyer immer wieder anachronistische Formulierungen und Kenntnisstände der Figuren auf, die er keinesfalls als Schwächen des Autors gewertet wissen will, sondern als Erzählstrategie versteht. Orejudo gehe es nämlich darum, die Unmöglichkeit jeglicher Rekonstruktion der historischen Wirklichkeit zu demonstrieren und gleichzeitig das "ewiggleiche Grundmuster" des Aufkommens und der Etablierung neuer Doktrinen zu zeigen, so der Rezensent fasziniert.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 02.10.2006

Voll des Lobes ist Kersten Knipp in seiner Besprechung von Antonio Orejudos vielgestaltigem Roman über den Glaubensextremisten Bernd Rothmann, der im 16. Jahrhundert in den religiös umkämpften Landen Europas sein Heil und die richtige Aufgabe für sich sucht. Das Buch ist Knapp zufolge nicht nur inspirierte Religionsgeschichte, raffinierter Historienroman und feinfühliges Porträt eines Fanatikers, sondern besitzt daneben einige Aussagekraft und Erkenntnispotenzial über die aktuellen Problemlagen und weltpolitisch grundierten Extremismus-Debatten. Dass Orejudo zudem ein glänzender Erzähler sei, der mit Scharfsinn und Verve seine Konvertitengeschichte über Verblendung, Macht und Glaube spannend auffächere, bestärkt den beeindruckten Rezensenten da nur in seinem Resümee, ein "großartiges" Buch genossen zu haben.
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