In Antonio Fians Traumgeschichten folgen wir ihm in skurrile Alltagssituationen, eigentümliche Fantasien und Fantastereien, schauen genüsslich zu, wie er mit dem Finger in politischen Wunden wühlt oder den Literatur- und Kulturbetrieb und deren Irrwitzigkeiten in den Blick nimmt. Dass in Träumen alles und in jeder noch so überzeichneten Form vorkommen kann, verdeutlichen diese Kurztexte auf besonders originelle Weise. Gefolgt werden die Traumgeschichten von zwei längeren Erzählungen, die sich, mitunter essayistisch, mit den Abgründen österreichischer Literatur, Geschichte und Politik auseinandersetzen: Während einer Zugfahrt entlang der Mur-Mürz-Furche oder bei Spaziergängen durch die ungarische Stadt Pécs bereist Antonio Fian in Gedanken die schwarzen und braunen Flecken des Landes - bissig, manchmal böse, im Falle der Titelerzählung Nachrichten aus einem toten Hochhaus auch surrealistisch.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 04.09.2020
Rezensent Paul Jandl preist die Uneitelkeit von Antonio Fian und seinen Traumprotokollen. Keine Selbstverständlichkeit, über Träume so selbstlos als Erlöser aller Schlaflosen zu schreiben, findet Jandl. Fians lakonisch mitgeteilte nächtliche Erlebnisse auf Lesungen und beim Stelldichein mit Kollegen scheinen Jandl abenteuerlich, bisweilen grotesk, spaßig. Dass "freudianisch nicht viel zu holen ist" dabei, ficht Jandl nicht an. Entschädigt wird er unter anderem durch Beschreibungen von Wildschweinen als Hausgenossen oder auch von seltenen österreichischen Dialekten, die wie das Aufheulen von Motorrädern klingen.
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