Antje Wagner

Mottenlicht

Erzählungen
Cover: Mottenlicht
Kiepenheuer und Witsch Verlag, Köln 2003
ISBN 9783462033465
Paperback, 159 Seiten, 7,90 EUR

Klappentext

Abgründe lauern im Alltäglichen, kaum zu sehen, aber deutlich zu spüren. In Antje Wagners Erzählungen bewegen sich die Figuren auf dem unsicheren Boden des Bekannten und geraten langsam aus dem Tritt. Sie alle - die allein erziehende Mutter, der jüngere Ehemann, das stille Kind - kommen ins Rutschen, zunächst kaum merklich, dann in wachsender Geschwindigkeit, bis sie aus dem Leben fallen. Da ist Lena, ein unauffälliges Mädchen, das eines Nachts heimlich in den schimmligen Keller des Nachbarhauses zieht, nicht mehr schläft und nur noch von Insekten spricht. Da ist ein Ehepaar, das, in einer Waldhütte eingeschneit, monatelang ohne Aussicht auf Rettung ausharrt und schließlich aneinander irre wird.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30.08.2004

Pia Reinacher lässt sich von diesen Erzählungen, die von der "Zumutung Liebe" handeln, nicht überzeugen. Allzu gekonnt jongliert die Autorin Antje Wagner in einer Mischung aus "Naivität, Verruchtheit und Ernsthaftigkeit" mit literarischen Techniken, allzu offensichtlich hat sie es dabei auf die "Verstörung der Leser abgesehen", kritisiert die Rezensentin. Die Geschichten enden überwiegend böse und offenbaren überraschend die "dunkle, verdrängte Seite" der Liebe und des Begehrens, allerdings schwenken sie viel zu "abrupt" von der scheinbaren Normalität ins Ungewisse um und wirken dadurch, dass Wagner diese "Methode" immer wieder anwendet, ziemlich "mechanisch", so Reinacher unzufrieden. Für sie klafft zwischen "Konstruktion und Leben" in diesen Erzählungen ein unüberwindbarer "Abgrund". Zudem können die Erzählungen sie bei aller Bewunderung für die gekonnte Erzeugung von Spannung nicht von den Zweifeln befreien, ob diese nun "Literatur, Kindergeschichten" oder einfach nur Geschichten über das Erwachsen werden sind.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 03.12.2003

Kombinationsvermögen und eine positive Grundverfassung sollten die Leserinnen von Antje Wagners Erzählungen mitbringen, rät Petra Kohse, da sie andernfalls zu "schlecht drauf" kommen könnten. Denn frohe Botschaften habe Wagner nicht zu verkünden, warnt Kohse, die Erzählungen handelten alle von bedrängten, gequälten, unglücklichen oder irre gewordenen Mädchen und Frauen. Ob man ihn mag oder nicht, dieser Fokus bleibe solange legitim, schreibt die Rezensentin, wie er literarisch gut konstruiert sei. In den meisten Erzählungen sei er das, bloß wenn Wagner ausnahmsweise ihren "bösen Blick" senke, dann werde es sentimental. "Zielgruppenkitsch" nennt Kohse diesen kleineren Anteil der Erzählungen, in denen Frauen Frauen helfen - wenn überhaupt zu helfen ist. - Die 29-jährige Autorin habe bereits zwei Romane und einen Erzählband im schwul-lesbischen Querverlag herausgebracht, teilt Kohse mit. - Die restlichen Erzählungen, in denen es prinzipiell sehr verrätselt um Missbrauch, Im-Stich-gelassen-werden, Hungern und ähnliches geht, charakterisiert Kohse als durchaus spannende "Gebrauchsprosa für Freundinnen des Abgrunds", die einem jahreszeitengemäß das entsprechende November-Feeling vermitteln.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 08.10.2003

Sebastian Domsch zeigt sich angesichts dieser Erzählungen von Antje Wagner teils erfreut, teils allerdings auch verärgert. Durchaus überzeugend präsentiere Wagner in "Mottenlicht" in ihrer nüchternen Art die menschlichen Abgründe; regelrecht mitreißend findet Domsch hierbei ihre stakkatoartigen Sätzen. In ihren besten Momenten schafft Wagner "lakonische Protokolle verdrängter Schrecknisse". Wenn sich die Autorin allerdings in einem lyrischen Tonfall versuche, verfalle sie leider und unnötigerweise in Pathos und "Sprachkitsch", muss er schließlich bedauernd feststellen.
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