Ausgehend von Barthes bietet die Autorin eine anschaulich Einführung in die interkulturelle Kommunikation. Sie spannt den Bogen von Edward Saids bahnbrechender Kritik am Orientalismus über Barthes? Kulturschock und ?Erleuchtung? in Japan bis hin zum aktuellen Feld des Postkolonialismus und macht dadurch die einflussreiche, jedoch schwierige postkoloniale Theorie von Homi K. Bhabha verständlich. Neu ist dabei nicht nur der Hinweis auf Barthes? Beitrag zur interkulturellen Kommunikation, sondern auch die ungewöhnliche Zusammenführung der postmodernen und postkolonialen Theoretiker, die am Fremdverstehen zweifeln, mit Hans-Georg Gadamers neohermeneutischem Plädoyer für den Dialog der Kulturen. Damit ermöglicht das Werk einen Einblick in und einen neuen Blick auf die Postcolonial Studies, die im englischsprachigen Raum bereits viel diskutiert und für die heutige Theorie der Interkulturalität tonangebend sind.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16.02.2004
Steffen Gnam lobt dieses Buch von Antje Landmann als "schlüssig aufgebaute Studie". Sie setzt, so erfährt man, an dem Problem an, dass Roland Barthes' Buch "Das Reich der Zeichen" (1970) einen "schmalen Grat" abschreite; zwischen, einerseits, "dem Versuch, die eurozentrische Perspektive" auf Japan "mittels der Fremderfahrung zu durchbrechen" und, auf der anderen Seite, dem dabei immer "lauernden Rückfall in den Orientalismus", der den Osten "für Selbstkritik und Selbsterfahrung instrumentalisiert". Die Autorin zeigt dabei, so Gnam, wie die Japan-Erfahrung den Textbegriff und die Rezeptionstheorie Barthes´ und seiner Schüler inspirierte. Am interessantesten fand der Rezensent aber offenbar, dass Landmann immer wieder einen "Rückfall in die Hermeneutik" auszumachen vermag - insofern nämlich etwa die "Sinnentleerung durch Dezentrierung", die Barthes immer wieder vorführe, und auch in der fragmentarischen Struktur seines Buches zu verwirklichen suche, "paradoxerweise gerade dem westlichen Leser sinnvoll" erscheine.
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