Homi Bhabha

Die Verortung der Kultur

Cover: Die Verortung der Kultur
Stauffenburg Verlag, Tübingen 2000
ISBN 9783860570333
Kartoniert, 408 Seiten, 32,72 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Michael Schiffmann und Jürgen Freudl. Mit einem Vorwort von Elisabeth Bronfen. Mit diesem Band liegt das Hauptwerk von Homi K. Bhabha erstmals komplett in deutscher Übersetzung vor. Wenige Denker haben die Problematik der VERORTUNG DER KULTUR so prägnant auf den Punkt gebracht wie dieser ?anglisierte postkoloniale Migrant, der zufällig ein Literaturwissenschaftler mit leicht französischem Einfluß ist? ? so Bhabhas Selbstcharakterisierung. In einer virtuosen, beziehungsreichen Sprache legt er dar, daß in postkolonialen Zeiten das ?Wesen? oder der ?Ort? der Kultur nicht mehr als einheitlich, geschlossen verstanden werden kann. Derartigen Vorstellungen hält der Theoretiker der Hybridität sein Konzept des ?Dritten Raumes? entgegen, das über die geläufigen Polaritäten wie Ich ? Anderer, Dritte Welt ? Erste Welt weit hinausgeht.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 25.09.2001

Bei dem Buch "Die Verortung der Kultur" von Homi K. Bhabhas handelt es sich um das Hauptwerk des Professors für englische Literatur an der Universität von Chicago, der laut Newsweek einer der "100 people for the new century" ist, schreibt Rezensent David Lauer. Das Buch zeichnet das Verhältnis zwischen Kolonialherren und Kolonisierten nach, das als eines zwischen Herr und Knecht beschrieben wird. Seine grundlegende These ist, dass ihre wechselseitige Beziehung keiner Partei ermögliche, sich seiner kulturellen Authentizität zu versichern. Bhabha bezeichnet dies als "'Hybridität' der Kultur, die jeden Gedanken an Authentizität obsolet macht", wie der Rezensent David Lauer zusammenfasst. Hybridität sei aber nicht nur ein Phänomen, das innerhalb der Kolonialisierung auftrete, sondern kennzeichne die Kultur als solche. Damit kehre sich die gängige Betrachtungsweise um, wie Lauer schreibt: "Man kann nicht von der Diversität vorgegebener Kulturen ausgehen. Auszugehen ist vielmehr von kultureller Differenz, vom 'Zwischenraum' einer 'transnationalen und transnationalen' Kultur". Dazu bedürfe es auch einer neuen Form der Ethik, die von den Menschen ironische Distanz zu sich selbst abverlangt.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 22.03.2001

In seinen bereits 1994 im englischen Original erschienenen Essays zeige der Autor, wie sehr der ungenügende hermeneutische Zugriff der Kolonialmächte des 19. Jahrhunderts auf die unterworfenen Länder für die spätere Auflösung der neuen Imperien verantwortlich sei. Soweit hat Kersten Knipp an dem Buch auch nichts auzusetzen. Erst indem sie dessen Methodik darlegt, teilt sie uns ihre Bedenken mit: Allzusehr, schreibt sie, habe sich der Autor der Logik des Poststrukturalismus` unterworfen und versucht, die Vorstellung von einer chimärischen Wirklichkeit auf die koloniale Realität zu übertragen. Die Spaltung und die Ambivalenz aber, die der Autor feiert, sind für Knipp "seit je Kernbestand des kulturellen Prozesses". Den dekonstruktivistischen Jargon des Buches findet die Rezensentin überdies so elegant wie penetrant, statt Kontakt zur politischen Wirklichkeit zu halten, meint sie, kreise dieser schließlich narzisstisch um sich selber.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 17.02.2001

Zwar hält Wolfgang Müller-Funk das Buch zu Kultur im Postkolonialismus eigentlich für "unübersetzbar", doch dafür ist die deutsche Fassung seiner Meinung nach recht gut gelungen. Trotzdem sei das Werk in seiner "Abstraktheit" ziemlich hermetisch und gerade für deutsche Leser wegen des fehlenden kulturellen Hintergrunds schwer nachzuvollziehen. Der Rezensent findet das Buch dennoch durchaus "aufschlussreich", weil es sich "pointierter als andere Bücher" zum Thema von einer "moralisierenden linearen Ideologiekritik" absetzt. Außerdem wende es sich gegen das "Freund-Feind"-Schema des Marxismus und eröffne so einen "utopischen Raum" für neue politische Wege. Allerdings wirft der Rezensent Bhabha vor, in seinen Ausführungen den "Anderen" mit dem "Fremden" zu verwechseln, was, wie Müller-Funk in seiner Kritik zu zeigen versucht, zu Konfusionen führt.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 08.02.2001

Mark Terkessidis stellt ein mit sechs Jahren Verspätung auch in deutscher Sprache erschienenes Buch vor, das, wie er bemerkt, im angloamerikanischen Raum eines der einflussreichsten theoretischen Werke der neunziger Jahre zum Thema der kulturellen Identität geworden ist. Der Bezugsrahmen Bhabhas sei der Poststrukturalismus. Der Autor stützt sich in seinen Untersuchungen auf den Kulturwissenschaftler Stuart Hall, dessen Grundthese, wie Terkessidis erläutert, es ist, dass "jede Form von Identität durch das `Nadelöhr` des anderen hindurchmüsse". Bhabha untersuche nun genau dieses Nadelöhr mit dem Ziel, den Begriff der Identität neu zu definieren. Dabei analysiere er koloniale Situationen und Prozesse der Migration. Die Ergebnisse, so der Rezensent, geben dem Untersuchungsgegenstand neue Wendungen, und er empfiehlt der deutschen Forschung, sich damit auseinanderzusetzen. Es scheint ihm jedoch zweifelhaft, dass dies tatsächlich geschieht, da man poststrukturalistischen Ansätzen in Deutschland bisher eher mit "überheblicher Skepsis" begegnet sei.
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