Aus dem Englischen von Stefanie Schäfer. Am 11. Februar 2013 macht Papst Benedikt XVI. eine sensationelle Ankündigung: Er tritt zurück. Sein Nachfolger wird der Armenprediger Jorge Bergoglio aus Argentinien. Heute wohnen sie im Vatikan fast Tür an Tür, diskutieren, unternehmen lange Spaziergänge: Benedikt XVI. und Franziskus, so ähnlich und doch so verschieden. Beide fühlten sich moralisch für ein Amt ungeeignet, das sie dennoch nicht ablehnen konnten; beide sind voller innerer Widersprüche. Und das zu einer Zeit, in der der Vatikan mit schockierenden Skandalen zu kämpfen hat.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.10.2019
Rezensent Hannes Hintermeier wundert sich nur anfangs darüber, dass Diogenes mit Anthony McCartens Päpstebuch über Benedikt XVI. und seinen Nachfolger Franziskus ein Sachbuch herausbringt. Am Ende ist er schlauer: Es handelt sich um die Vorlage für einen Netflix-Blockbuster, meint er böse. Allerdings bringt ihn der Autor auch wirklich zur Verzweiflung mit seinem anekdotischen, ranschmeißerischen, allwissenden Stil, seinen Pointen und Effekten. Noch mehr ärgert Hintermeier, dass der Autor sich nicht die Mühe gemacht hat, vor seinem Ratzinger-Bashing einmal das Werk des Theologen und seine Reformen in Augenschein zu nehmen, anstatt noch einmal die Mitgliedschaft in der Hitler-Jugend zu bemühen, um Ratzingers Autoritätsgläubigkeit zu erklären.
Dieses Buch über die beiden früheren Kardinäle Ratzinger und Bergoglio, die dann auf sensationelle Weise zu gleichzeitig lebenden Päpsten wurden, findet Rezensentin Evelyn Finger "herausragend". Immer wieder erwähnt sie die Herkunft des Neuseeländers aus der Schule des Drehbuch-Schreibens und freut sich darüber, dass er das "Drama" des modernen Katholizismus gut zu inszenieren weiß. (Tatsächlich wird es demnächst auf Netflix einen Film über den Papst-Rücktritt geben, mit keinem geringeren als Anthony Hopkins als Ratzinger.) Aus der Gegensätzlichkeit der beiden Päpste macht McCarten so etwas wie ein Sich-Ergänzen, schreibt die begeisterte und äußerst kundige Rezensentin. Es würden zwar auch die üblichen Anekdoten abgehandelt - Ratzingers Fehltritte auf internationaler Bühne als "Panzerpast" und Bergoglios Ablehnung prächtiger Gewänder mit dem Ausruf, der "Karneval" sei jetzt vorbei. Entscheidend aber findet Finger die Art, wie der Autor die beiden Männer aufeinander bezieht und ihr gemeinsames Dilemma herausarbeitet, nämlich die Freiheit heutiger Katholiken bei gleichzeitiger Gebundenheit. Eine dringende Leseempfehlung!
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