Papst Benedikt XVI. kommt aus dem Land der Reformation und er kommt aus einem Land, in dem die Schrecken des Krieges und einer totalitären Ideologie auch die Biografie des jungen Ratzinger berührt haben, dessen 68er Jahre auch zur "Wende" des brillanten progressiven Theologen beigetragen haben. Auf Schemata nicht festlegbar, unabhängig im Denken und persönlich liebenswürdig, sagt er jetzt als Papst das, was für ihn zentral ist: die Gottesfrage und eine neue Rolle der Kirche. Wie wird seine Sicht in dem Land aufgenommen, in dem der antirömische Affekt Tradition hat? In dem Land, in dem nicht nur Kirchentrennung stattfand, sondern auch die ökumenische Bewegung ihren Ausgang nahm? Was sind die Chancen für seine Vision einer Kirche als "Salz der Erde"? Welche Antworten wird der auf die Fragen der Jugend finden?
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 18.10.2005
Alexander Kisslers Porträt ist Otto Kallscheuer inmitten der vielen Neuerscheinungen nach der Wahl Joseph Ratzingers zum Nachfolger Johannes Paul II. positiv aufgefallen, weil man hier "tatsächlich Neues" zu lesen bekommt. Das gilt insbesondere für das Kapitel über die in Bayern entstandene Katholische Integrierte Gemeinde, der Benedikt XVI. schon als Münchner Erzbischof nahe stand. Kissler zeichnet laut Kallscheuer ein "prägnantes Bild" der Freundschaft, die sich zwischen Ratzinger und der Kommune, die in ihren Anfangsjahren als Sekte kritisiert wurde, seitdem gebildet hat. Den Rezensenten erinnert das Buch über das heimatliche Milieu des Papstes an die "kulturellen Bruchlinien", die sich einst zwischen dem deutschen Modernismus und der katholisch geprägten Romantik innerhalb der protestantischen Nation bildeten.
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