Antal Szerb

Reise im Mondlicht

Roman
Cover: Reise im Mondlicht
dtv, München 2003
ISBN 9783423243704
Taschenbuch, 258 Seiten, 14,00 EUR

Klappentext

Übersetzt von Christina Viragh. Deutsche Erstausgabe. Dem Vater zum Gefallen und mit der Absicht, fortan ein bürgerliches Leben zu führen, ist Mihaly vor kurzem dem Budapester Familienunternehmen beigetreten und hat endlich geheiratet. Mit Erzsi an seiner Seite will Mihaly den jugendlichen Bohemien nun für immer hinter sich lassen. Ohne zu wissen, dass er für seine Braut der willkommene Anlass war, aus der Enge ihrer ersten Ehe mit einem wesentlich älteren Mann auszubrechen, wird Mihaly jedoch bereits auf der Hochzeitsreise in Italien durch die unerwartete Begegnung mit einem alten Freund von melancholischen Erinnerungen an seine rebellische Jugend überwältigt...

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 28.01.2004

Cornelia Jentzsch ist begeistert von diesem Roman, der zur Freude der Rezensentin "von einer heimtückischen Komik durchsetzt" ist. Bereits 1937 geschrieben und 1974 hierzulande unter dem treffenderen Titel "Der Wanderer und der Mond" erschienen, erzählt der 1901 geborene Antal Szerb von Erzsis und Mihalys Hochzeitsreise durch Italien und deren unabsehbaren Folgen für das gleich wieder auseinander gerissene Paar. Während sich Mihaly seiner verklärt realitätsentfremdeten Vergangenheit hingibt, findet Erzsi nach einer Odyssee zu ihrem ersten Ehemann zurück. Szerb, der "das Mysterium des Wunders, zwischen nostalgischer Hoffnung und ironischer Ablehnung" variierte und stark von Oswald Spengler beeinflusst war, wie die Rezensentin berichtet, hat auch eine umfangreiche Literaturgeschichte, "scharfsinnige Essays", Erzählungen und eine internationale Poesieanthologie verfasst. Er wurde kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs in einem ungarischen Lager ermordet.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 22.01.2004

Der hier rezensierende Schriftsteller György Dalos nutzt seine breit angelegte Besprechung des bereits 1937 entstandenen Romans "Reise im Mondlicht" um den ungarischen Autor Antal Szerb vorzustellen. Endlich ist mit diesem Band einer der "beliebtesten" Schriftsteller Ungarns auch deutschsprachigen Lesern zugänglich, freut sich Dalos. Er nimmt sich in seiner Kritik viel Raum, um Szerb und seine Zeit vorzustellen, auch die politischen Umstände Ungarns zu skizzieren und schließlich seine Leseeindrücke in den 60er Jahren zu schildern, als er den Roman im Ungarischen Original zum ersten Mal las. Die Wirkung auf seine Generation sei mit dem Effekt von Goethes "Leiden des jungen Werther" auf die Jugend seiner Zeit durchaus vergleichbar gewesen, so Dalos nachdrücklich. In dem Buch geht es um den jungen Mihaly, der seine, dem eigenen Freund zuvor ausgespannte, frischgebackene Ehefrau bereits in den Flitterwochen verlässt, fasst Dalos zusammen. Der Meinung anderer Kritiker, die in dem Roman Parallelen zu Cocteaus "Die Kinder des Olymp" sowie zu den Romanen seines berühmten Landmanns Sandor Marai sehen, scheint der Rezensent zuzustimmen, und er weist auch auf den lebensgeschichtlichen Kontext hin, in dem die Geschichte steht. Mit diesem Roman ist ein ungarischer Klassiker zu entdecken, der auch in Ungarn gerade "seine Renaissance feiert", freut sich Dalos.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 07.01.2004

Ilma Rakusa nennt Antal Szerbs "Reise im Mondlicht" das "kleine Meisterwerk eines ungarischen Weltbürgers". Dass der bereits 1937 geschriebene Roman nach so langer Zeit erscheinen konnte, sei vor allem Christina Viragh zu verdanken, von deren Übersetzung die Rezensentin begeistert ist. "Reise im Mondlicht" ist die Odyssee zweier gegensätzlicher Charaktere, die nach ihrer kurzen Hochzeitsreise durch Italien gleich wieder ihrer eigenen Wege gehen. Während der sentimentale und todessehnsüchtige Mihaly von seiner Vergangenheit magisch angezogen wird, stellt sich die rationale Erzsi mutig der Gegenwart. Die Rezensentin ist fasziniert von den "schillernden Widersprüchen" und erfreut sich an dem Gleichgewicht des "Irrational-Somnambulen und der an Tatsachen orientierten Ratio" sowohl in inhaltlicher als auch in sprachlicher Hinsicht. So birgt die "betörende" Reise bis zum Schluss ungeahnte Möglichkeiten und besticht durch seine "eigenartige Leichtigkeit".

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 01.12.2003

"Ihn nicht gekannt zu haben, ist ein Versäumnis", konstatiert Thomas Steinfeld über Anatol Szerb. Sein wieder entdeckter Roman von 1937 sei "klug, schön und unterhaltsam". Und dazu verständlich. Steinfeld stellt den Autor in eine Reihe zeitgenössischer Schriftsteller wie Alexander Lernet-Holenia, Karen Blixen, Leo Perutz und Sandor Marai, die alle eines gemeinsam hätten: Sie wollten dem Zeitgeschehen nicht ins Gesicht blicken. Gerade durch diese Weltvergessenheit, glaubt der Rezensent, waren sie vielleicht die "letzten großen Erzähler im emphatischen Sinne des Wortes". Szerb sei ein "beredter, hoch gebildeter" Reiseführer, der seine Leser in ein ewiges Venedig und Italien führt, wo sich "überzeitliche" Kunst und Schönheit mit katholischer Strenge und morbider Sinnlichkeit paaren. Seine Figuren behandle er - ganz auktorialer Erzähler - mit Spott und Ironie, "so selbstgewiss in seiner Rolle". Und indem die Zeit schließlich über den Umweg der Rezeption doch noch in das Buch eindringe, vergrößere sich das "Unheimliche" dieser Geschichte sogar noch über die ursprüngliche Absicht hinaus.
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