Anonymus

Wohin mit Vater?

Ein Sohn verzweifelt am Pflegesystem
Cover: Wohin mit Vater?
S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2007
ISBN 9783100617064
Gebunden, 192 Seiten, 16,90 EUR

Klappentext

Mit dem Tag X kommen Hilflosigkeit, Ohnmacht, Selbstvorwürfe: Was tun mit dem Vater, was tun mit der Mutter? Ein Pflegeheim will man den Eltern ersparen, häusliche Pflege ist unbezahlbar - aber den Beruf und das eigene Leben aufgeben, um die Pflege selbst zu übernehmen? Der Autor erzählt das Drama einer Familie und berichtet, mit welchen grundlegenden Fragen er sich plötzlich konfrontiert sah. Er schildert die Gewissenskonflikte und auch die bürokratischen Schwierigkeiten seiner Situation. Und er schlägt Alarm angesichts der Untätigkeit, mit der Gesellschaft und Politik vor einer der großen sozialen Fragen unserer Zeit stehen. Der Autor ist seit 30 Jahren Journalist, arbeitete bei verschiedenen deutschen Zeitungen und ist heute Ressortleiter einer deutschen Tageszeitung. Die Lösung, die er für die Pflege seines Vaters fand, ist offiziell illegal. Um sie nicht zu gefährden, muss er anonym bleiben.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 25.08.2007

Nicht kalt gelassen hat Rezensentin Ulrike Winkelmann dieser Bericht eines Anonymus über die verzweifelte Suche nach einem Pflegeplatz für seinen Vater. Das Buch hat sie berührt, gepackt und überzeugt. Die katastrophal unwürdigen Zustände in den Pflegeheimen kommen ihrer Auskunft nach ebenso zur Sprache wie das schlechte Gewissen des Autors und seiner Schwester angesichts des Schicksals der alten Menschen und die gesellschaftliche Dimension des Problems. Sie bescheinigt dem Autor, gekonnt Fakten in seine Geschichte einzustreuen. Allerdings bemängelt die Rezensentin, dass der Autor nicht auf Gesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) eingeht, der es seit Amtsantritt 2001 gelungen sei, das Thema Pflege zu umschiffen. Sie mutmaßt, der Autor habe sich nicht in die Untiefen der Sozialsystemdebatten begeben wollen. Doch hätte er ihrer Ansicht nach seine Anklage "getrost auf die zuständigen Politiker ausweiten dürfen".

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 16.08.2007

Äußerst eindringlich scheint Rezensentin Ursula März dieser autobiografische Bericht eines anonym bleibenden Autors über seinen Vater, der nach dem Tod der Mutter pflegebedürftig geworden ist. Ebenso "unsentimental" wie "schonungslos" findet sie die Beschreibung dieser exemplarischen Geschichte, der Odyssee zweier Geschwister durch das deutsche Pflegesystem, die daran fast verzweifeln. Das Grauen der Pflegeheime wird für März ebenso deutlich wie die tiefe Einsamkeit vieler alter Menschen. Eine große Stärke des Buchs ist für sie, dass es aufs Moralisieren verzichtet, um stattdessen sachlich und konzentriert Aufklärung zu betreiben.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 24.02.2007

Ebenso bewegend wie instruktiv findet Heidrun Graupner diesen Erlebnisbericht aus dem Pflegesystem. Sie bescheinigt dem Autor, einem anonym bleibenden Journalisten, ein "außergewöhnliches", "anrührendes" und "wunderbar differenziertes" Buch vorgelegt zu haben. Die Geschichte über seinen Vater, der nach dem Tod der Mutter zum Pflegefall wird, verdeutlicht für sie eindringlich den katastrophalen Zustand unseres Pflegesystems, den unmenschlichen Horror vieler Pflegeheime und die Untätigkeit der Politik. Dass der Autor seine Geschichte nicht als Ich-Erzählung aufgezogen hat, sondern eine distanzierte Perspektive wählt, scheint ihr überaus überlegt, wird so doch klar, dass jedem Sohn und jeder Tochter jeden Tag das Gleiche passieren kann. "Das Land ist in einer Notlage und die Politiker haben kein Konzept dagegen", resümiert Graupner. "Man sollte ihnen allen dieses Buch als Pflichtlektüre verordnen."
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