Laurie Garrett

Das Ende der Gesundheit

Bericht über die medizinische Lage der Welt
Cover: Das Ende der Gesundheit
Siedler Verlag, Berlin 2001
ISBN 9783886807215
Gebunden, 541 Seiten, 24,54 EUR

Klappentext

Schlaglichter einer globalen Katastrophe: In Indien bricht die Pest aus. Ärzte fliehen aus Angst vor Ansteckung, die Behörden erklären die Stadt Surat zum Sperrgebiet. Tausende von Menschen sterben aus Unwissenheit in einem Land mit einem der höchsten Rüstungsetats der Welt. In Zaire, der heutigen Volksrepublik Kongo, und in Uganda greift 1995 das Ebola-Virus um sich. Die Sterbenden bringt man in die überfüllten Krankenhäuser des unterentwickelten Landes, wo die Viren monatelang wie in einem Inkubator auf andere Patienten übergreifen. In den Ländern der ehemaligen Sowjetunion trifft Laurie Garrett auf umweltverseuchte sibirische Städte, tuberkulöse Gefängnisse, biologische Kriegslaboratorien aus der Zeit der UdSSR, Heime für verwahrloste Kinder, defekte Operationssäle und Klinikräume. In den USA wird die medizinische Versorgung immer stärker einkommensabhängig. Medizinische Fortschritte kommen nur wenigen zugute, während die anderen von Behandlung und Prävention ausgeschlossen bleiben, eine Kluft, die sich im globalen Maßstab zwischen den reichen Ländern des Nordens und den armen Ländern des Südens wiederholt.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 22.03.2001

Zuviel des Guten meint der Rezensent Werner Bartens und hätte das vorliegende Buch gerne bei Seite 258 - knapp der Hälfte seines Umfangs - geschlossen. Denn bis dahin bescheinigt er der Autorin einen tadellosen Beitrag im besten Sinne einer "gut recherchierten Aufklärung" geleistet zu haben. "Umfangreiches Wissen über Infektionswege und Keimnachweise" erhält der Leser und damit nicht genug: "Der Autorin gelingt es, den Zusammenhang von Armut und Krankheit, politischer Entwicklung und Vorsorge anschaulich zu machen", lobt der Rezensent. Dies gilt aber eben nur bis Seiten 258. Bis hierhin ein "spannend geschriebener und gut recherchierter Beitrag über die Ausbreitung von Epidemien in politisch wie wirtschaftlich instabilen Regionen." Der Rest, der von Amerika und biologischen Waffen handelt, so der Rezensent, ersticke in "Zahlenhuberei" und vor allem in dem etwas anmaßenden Anspruch der Autorin, "die medizinische Lage der Welt" erklären zu wollen. Manchmal scheint weniger wohl doch mehr zu sein, zumindest für den Rezensenten.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 21.03.2001

Laurie Garrett hat "ein Aufsehen erregendes, ein alarmierendes Buch" geschrieben, wie Heidrun Graupner lobt. Darin beschreibe Garrett den weltweiten Zusammenbruch der Gesundheitssysteme unter Kostendruck und Korruption. Was um 1900 gegolten habe, nämlich das Wissen um die politisch und sozial stabilisierende Wirkung einer umfassenden und allgemeinen Gesundheitsversorgung, existiere am Ende des 20. Jahrhunderts nicht mehr. Anhand von Beispielen wie dem Ausbruch der Pest 1994 in Indien oder dem Ausbruch des Ebola-Virus 1995 in der Republik Kongo, damals Zaire, zeige die Autorin die verheerenden Folgen einer total vernachlässigten Gesundheitspolitik. Ihr "düsterer Bericht" ist eine Mischung aus "Analyse und Reportage", so die Rezensentin. Auch Osteuropa und Amerika halte die Autorin für gefährliche Seuchenherde. Dort breiteten sich durch die Vernachlässigung des allgemeinen Impfschutzes und mangelnde Hygiene Diphterie, Tuberkulose und Aids ungehindert aus. Garretts Bericht enthält Zahlen, nach denen allein in den Vereinigten Staaten jedes Jahr 150.000 Menschen an Infektionen sterben, mit denen sie im Krankenhaus in Berührung gekommen sind, wie die Rezensentin schreibt. Wie Garrett weiter berichtet, lässt die Pharmaindustrie die Gesundheitskosten explodieren, so dass an eine allgemeine Versorgung oder gar einen Export bestimmter Medikamente in die Dritte Welt nicht zu denken ist. Durch die Vernachlässigung des Gesundheitswesens in fast allen Ländern der Erde sei die Ausbreitung von Seuchen immer wahrscheinlicher, so der Schluss der Autorin. Und auf die Bekämpfung von Epidemien sei heute niemand mehr vorbereitet.
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