Aus dem Niederländischen von Heike Baryga. Maya leidet an Schlaflosigkeit. Und das seit Wochen, Monaten. Sie unternimmt alles, um ein paar Stunden Ruhe zu finden: warme Milch mit Honig, Valium, Wein. Keinen Ratschlag lässt sie unbefolgt, doch auch Homeshopping, eine esoterische Therapie und die Streicheleinheiten ihres Liebsten helfen nicht. Sie machen sie nach und nach eher wütend, denn Mayas Neid auf die Nachtruhe der anderen wächst. Rastlos irrt sie nachts durch die Stadt und klingelt vor lauter Frust fremde Leute aus den Betten. Ihr bizarres Verhalten schlägt nach und nach alle Freunde in die Flucht. Völlig übernächtigt, beginnt Maya, die Kontrolle über sich selbst zu verlieren. Doch dann begegnet sie bei einem ihrer nächtlichen Ausflüge ihrem männlichen Gegenpart: Benoit - schlaflos wie sie.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27.02.2006
Vom Debütroman der belgischen Autorin Annelies Verbeke zeigt sich Alexander Honold sehr angetan. Erzählt wird die Geschichte der 18-jährigen Maya, die unter Schlaflosigkeit leidet und ruhelos durch die Nacht irrt, bis sie auf den Leidensgenossen Benoit trifft. Jede Menge Gewaltakte und Unfälle sind in diesem Roman versammelt, doch mache die Autorin daraus weder eine Actionstory noch schreibe sie "effekthascherisch", versichert der Rezensent. Honold hat vielmehr eine Liebesgeschichte anzuzeigen, beherrscht von einem "Grundton der Zärtlichkeit", der dieser "Welt voller Brutalität und Kälte" gegenübergestellt ist. Was eigentlich im weiteren Verlauf nur in eine "überspitzte Satire" oder in ein tief trauriges "Sozialdrama" münden kann, werde bei der Autorin zu einer "lebenslustigen Geschichte", die sich ganz der "Munterkeit" der Ich-Erzählerin Maya überlässt. Wenn die beiden Schlaflosen wegen ihres Leidens in der geschlossenen psychiatrischen Anstalt landen, sieht Honold "meisterlich die Pathologie des Normalen" geschildert und ihm gefällt besonders, wie Verbeke mit "krudem Witz und lakonischer Wärme" die anderen Psychiatrieinsassen beschreibt, ohne sie vorzuführen und der Lächerlichkeit preiszugeben.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 10.05.2005
Zwei Dinge gesteht Florian Welle der jungen flämischen Autorin Annelies Verbeke auf jeden Fall zu: "erzählerische Kraft" und "abgründigen Humor". Verbeke erzählt die Geschichte zweier Schlafloser, die "aufeinander zutreiben, zusammenprallen und von müder Wucht zurückgeschleudert werden auf sich selbst". Sie ist eine junge Frau, Er ist ein Vierteljahrhundert älter, hat "sechs gescheiterte Beziehungen, drei Psychiater und zwei Therapien" hinter sich, beschreibt der Rezensent die Konstellation. So weit so gut. Doch leider, meint Welle, hat sich Verbeke keinen Gefallen mit der Konstruktion ihres Romans getan. Das Problem: Sie will aus den alternierenden Perspektiven ihrer beiden Helden erzählen, bringt dazu aber nicht das nötige sprachliche Rüstzeug auf. Die beiden sprechen genau die gleiche Sprache aus Greiztheit und Naivität. Versöhnlich stimmt Welle dann wieder, wie Verbeke in der zweiten Hälfte ihres Romans die Schaltkreise ihrer Helden kollabieren oder etwa eine "Frittenbudenoma" über die Unendlichkeit philosophieren lässt.
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