Lucette Ter Borg

Das Geschenk aus Berlin

Roman
Cover: Das Geschenk aus Berlin
Wallstein Verlag, Göttingen 2006
ISBN 9783835300446
Gebunden, 280 Seiten, 19,90 EUR

Klappentext

Aus dem Niederländischen von Judith Dörries. Sechsundsiebzig Jahre ist der Gutsverwalter Andreas Landewee alt, als er sich entschließt, Deutschland zu verlassen, um in der kanadischen Wildnis von Britisch Kolumbien mit seinem Sohn Wolfgang ein neues Leben zu beginnen. Nur die allerwichtigsten Dinge nimmt er mit: ein paar Kleidungsstücke, Bücher, seine Jagdgewehre, die Langspielplatten - und den Bechstein-Flügel seiner verstorbenen Frau, den er hütet wie einen Schatz. Wer ist dieser Mann, der so viel über Bäume und Wälder weiß, sich selbst und seine Kinder jedoch so wenig kennt? Der in Böhmen als Kind reisender Orchestermusiker aufwuchs, nach dem Zweiten Weltkrieg vertrieben wurde und in Deutschland eine ehemals von Hitler verehrte und protegierte Opernsängerin heiratete? Und der jetzt, in der Stille der kanadischen Wälder, auf dem Geschenk aus Berlin, dem "Flügel vom Führer", Beethoven und Liszt spielt? Lucette ter Borg erzählt in ihrem Debüt von den Geheimnissen einer Familie, von Verführung und Liebe, den Verlockungen des Selbstbetrugs und vom Zauber der Musik.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 11.04.2007

Lucette ter Borg hat mit ihrer Geschichte des 76-jährigen Musikliebhabers und ehemaligen Forstwirtschaftlers, der aus seiner Existenz als deutscher Witwer ausbricht und sich nach Kanada zu seinem Sohn begibt, eine ziemlich ungewöhnliche Aussteigergeschichte vorgelegt, meint Daniela Strigl interessiert. Sie attestiert der niederländischen Autorin durchaus Erzählgeschick, wenn sie durch Rückblenden die unglückliche Kindheit des Helden nachreicht, und einige Passagen des Romans lobt sie als sehr atmosphärisch und dicht geschildert. Trotzdem bekundet die Rezensentin einige Unzufriedenheit mit dem Buch und das liegt, wie sie moniert, an der Betulichkeit und der allzu ausgeprägten Harmonie der Schilderungen. Strigl fehlen die Ecken und Kanten in diesem Roman, das "Abgründige", und es geht ihr alles in allem einfach zu alltäglich zu. Geärgert hat sie sich zudem über das wenig gründliche Lektorat, das zahlreiche sachliche und sprachliche Fehler im Text übersehen hat.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 17.01.2007

Einfach "großartig" sei dieser erste Roman von Lucette Ter Borg, in dem sie der Geschichte ihrer Familie nachforsche. Rezensentin Eva-Elisabeth Fischer lobt sowohl die stets spannungsreiche und in vielen verschachtelten Strängen erzählte Handlung als auch den offen gehaltenen Schluss. Hat der Protagonist nach einem Leben in Selbstbetrug nun dazugelernt oder nicht? Mit 76 Jahren, skizziert die Rezensentin den Plot, wandere der sudetendeutsche Andreas Landewee nach dem Zweiten Weltkrieg nach Kanada aus, ohne seine nationalsozialistische Vergangenheit je kritisch zu hinterfragen. Dieser Charakterzug betreffe auch sein privates Leben, seine erste Ehe in "Selbstverleugnung". Bis er die Frau seines Lebens treffe, die so singe wie seine Mutter und zudem als erste sein geliebtes Klavier schätze. Sie ist Mezzosopranistin und hat 1942 vom 'Führer' einen Flügel mit den Initialen A. H. geschenkt bekommen, den der alte Landewee sich nach Kanada schicken lässt. Wie Lady Macbeth, vergleicht die Rezensentin, versuche der Neunzigjährige in seinen Alpträumen, den Makel seiner Vergangenheit zu vertuschen. Ein "ungewöhnlicher" Roman.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 25.11.2006

Enttäuscht hat Rezensentin Dorothea Dieckmann diesen Debütroman von Lucette ter Borg, der Kulturchefin der niederländischen Wochenzeitung "Vrij Nederland", wieder zugeklappt. Die darin erzählte Familiengeschichte findet sie zwar nicht unspannend, weil sie aus ihrer Sicht auf recht "exemplarischen Wegen" das 20. Jahrhundert durchläuft. Doch trotz der Sympathie, die sie auch den Protagonisten des Romans entgegen bringt, flammt keine Begeisterung auf. Zu "kühl und harmlos" ziehen die Ereignisse an der Rezensentin vorüber, in deren Zentrum ihren Informationen zufolge, ein Bechsteinflügel steht, der einst vom Führer höchstpersönlich verschenkt wurde, und nun in der kanadisches Waldeseinsamkeit von British Columbia steht. Nicht nur die "freundlich distanzierte Erzählerstimme" stört die Rezensentin sehr. Auch, dass sich diese Stimme so unbeeindruckt von den Ereignissen zeigt, die sie schildert - von den sich aufhäufenden Toten, dem "brutalen Wechsel der historischen Horizonte". Stattdessen gibt sich der Roman aus Sicht der Rezensenten anekdotisch. Was fehle, sei "die Substanz eines drängenden Gedankens".

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 25.11.2006

Enttäuscht hat Rezensentin Dorothea Dieckmann diesen Debütroman von Lucette ter Borg, der Kulturchefin der niederländischen Wochenzeitung "Vrij Nederland", wieder zugeklappt. Die darin erzählte Familiengeschichte findet sie zwar nicht unspannend, weil sie aus ihrer Sicht auf recht "exemplarischen Wegen" das 20. Jahrhundert durchläuft. Doch trotz der Sympathie, die sie auch den Protagonisten des Romans entgegen bringt, flammt keine Begeisterung auf. Zu "kühl und harmlos" ziehen die Ereignisse an der Rezensentin vorüber, in deren Zentrum ihren Informationen zufolge ein Bechsteinflügel steht, der einst vom Führer höchstpersönlich verschenkt wurde und nun in der kanadisches Waldeseinsamkeit von British Columbia steht. Nicht nur die "freundlich distanzierte Erzählerstimme" stört die Rezensentin sehr. Auch, dass sich diese Stimme so unbeeindruckt von den Ereignissen zeigt, die sie schildert - von den sich aufhäufenden Toten, dem "brutalen Wechsel der historischen Horizonte". Stattdessen gibt sich der Roman aus Sicht der Rezensentin anekdotisch. Was fehle, sei "die Substanz eines drängenden Gedankens".

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 04.10.2006

Rezensent Michael Rutschky ist zu seinem Bedauern leider unklar geblieben, was dieses Buch eigentlich erzählen will. Gut, die Pointe mit dem Flügel, der vom Führer höchstpersönlich verschenkt worden sei, ist gut gesetzt, der Roman "umsichtig und schön" konstruiert. Allein, wozu weitet die niederländische Autorin ein imaginäres Großdeutschland "in aller Unschuld" von Kiew bis nach Vancouver aus? Der Rezensent hat keine Ahnung. Wenn er die Übersicht über das Personal des Romans verliert, blättert er manchmal zurück. Irgendwie scheint hier jemand von Recherchen über die eigene Familie weit davon getragen worden zu sein, diagnostiziert er mit immer noch wohlwollender Verwirrung angesichts der Verästelungen und Verstrebungen der Handlung. Wenigstens "eine boshafte, finstere Geschichte über 'de Moff'", also die bösen Deutschen sei nicht das Ziel der Autorin gewesen, stellt er am Ende fest. Obwohl die Sache mit dem "Führer-Flügel" eigentlich prädestinierend dafür sei.
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