Wo beginnt die Schuld? Inmitten des Schweigens ihrer Familie hat Franka sich schon immer verloren gefühlt. Bereits ihre Großmutter, genannt die Fuchsin, hortete Geheimnisse wie die schwarzen Steine in ihrer Schürze. Als Franka mit Ende Zwanzig in die fränkische Provinz mit den Himmelweihern und Spiegelkarpfen zurückfährt, sieht sie endlich hin: Wie das war in den Nullerjahren, als Deutschland Weltmeister im eigenen Land werden wollte. Als ihr Vater starb und sie in Patrick und Janna Gleichgesinnte fand, die Unsicherheit mit Krawall, Frustration mit Faustschlägen übertünchten. Als sie immer tiefer in die rechte Szene einstieg. Sie beginnt Fragen zu stellen und sucht nach einer Haltung zur Vergangenheit. Ein hochaktuelles Debüt über eine Jugend auf dem Land zwischen der Sehnsucht nach Zugehörigkeit, radikaler Wut und den blinden Flecken der eigenen Familie.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 05.03.2025
"Angenehm unverkopft" findet Rezensentin Nadja Schlüter diese Coming of Age - Geschichte von Annegret Liepold, die das Abdriften einer Teenagerin ins rechtsradikale Milieu in den Blick nimmt. Das Besondere: Die Geschichte spielt zur Abwechslung mal nicht in Ostdeutschland, sondern im Westen, in der fränkischen Provinz. Hier wächst Franziska in prekären Umständen während der neunziger Jahre auf, so Schlüter, der Vater ist schon tot, die Mutter mit Esoterik beschäftigt, die Großmutter emotional unzugänglich. Franziska selbst ist Außenseiterin und beginnt, so Schlüter, sich mehr und mehr auf die Seite ihrer rechtsradikalen Freunde zu schlagen. Schlüter findet diese Entwicklung recht authentisch dargestellt, selbst wenn die "Eskalationsstufen" manchmal ein wenig zu schnell erreicht werden. Als Bedingung für die Radikalisierung ihrer Hauptfigur macht die Autorin nicht nur die problematische Familie aus, sondern auch das rechte Gedankengut, das unterschwellig bei den Dorfbewohnern schlummert. Als Franziska als Erwachsene zurückkehrt, die mittlerweile aus der Szene ausgestiegen ist und ihr Umfeld mit der Vergangenheit konfrontiert, herrscht größtenteil Verdrängung und Schweigen. Als wichtigen Aufruf nicht wegzuhören, wenn mal wieder das Horst-Wessel-Lied ertönt, sieht die Kritikerin hingegen dieses Buch.
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