Frank Bösch (Hg.), Gideon Botsch (Hg.)

Lebenswelten der radikalen Rechten in der Bonner Republik

Cover: Lebenswelten der radikalen Rechten in der Bonner Republik
Wallstein Verlag, Göttingen 2026
ISBN 9783835360433
Gebunden, 304 Seiten, 32,00 EUR

Klappentext

Wie bildeten sich nationalistische Milieus in der Bonner Republik und welche Veränderungen durchliefen sie? Der Rechtsradikalismus formierte sich in der Bundesrepublik nicht nur über Parteien, sondern auch über nationalistische Milieus mit geteilten Lebenswelten und Netzwerken. Diese zeichnen sich durch ein kommunikatives Handeln aus, das rechtsradikale Vorstellungen und Praktiken festigte, etwa durch gesellige Ausflüge, Aktionen von Jugendverbänden oder Treffen in bestimmten Räumen. Die Autorinnen und Autoren dieses Bandes spüren der Lebenswelt nach, in der Rechtsradikale agierten und ihre Netzwerke ausbauten. Sichtbar wird, wie sich ihr Auftreten nach dem Nationalsozialismus veränderte und sie sich an den Gesellschaftswandel anpassten. Damit wird zugleich deutlich, wie sich Weltanschauung, Organisationen und Parteien der extremen Rechten veränderten, ebenso ihre sozialen Praktiken, Aktionsformen und Gewalthandlungen. 

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 23.06.2026

Rezensent Joachim Scholtyseck erkennt an dem von Frank Bösch und Gideon Botsch herausgegebenen Band, dass die Forschung zu rechtsradikalen Milieus eher noch am Anfang steht. Der vorliegende Sammelband bietet ihm Beiträge von unterschiedlicher Qualität - von hölzern bis anregend, erscheint dem Rezensenten aber insgesamt als "überzeugender erster Aufschlag". Gut gefallen haben dem Rezensenten zum Beispiel die Definition des Themengebiets am Beginn des Bandes sowie Sebastian Bischoffs Text über den Umgang der Rechten mit der "sexuellen Revolution" und Laura Haßlers Beitrag über "linke" Protestformen bei der NPD in den 1980ern. Anderes im Band, wie ein Aufsatz über Rechte auf dem Land, erscheint Scholtyseck langatmig und ohne großen Erkenntnisgewinn, weil allzu theoretisch.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 19.05.2026

Ein lehrreiches Buch über rechte Kontinuitäten in der Bonner Republik liest Rezensentin Angela Gutzeit. Der von Frank Bösch und Gideon Botsch herausgegebene Sammelband zeichnet nach, wie sich rechtes Denken in der Nachkriegszeit im Milieu von Jugendzentren, auf Schulhöfen und in Vereinen etablierte. Rechtsextremistische Gewalttäter wurden in der Öffentlichkeit damals oft als Einzeltäter dargestellt, liest Gutzeit, eben weil die weitgreifendere Bedeutung rechtsradikaler Milieus vielfach übersehen wurde. Besonders wichtig für die Kultivierung rechten Denkens war die Bundeswehr, zeigt dieser Band auf, eine andere zentrale Vereinigung war die Wiking-Jugend, wieder andere Gruppierungen kopierten die Taktiken der Achtundsechziger. Die Beiträge des Bandes zeigen auf, resümiert Gutzeit, wie anpassungsfähig rechte Lebenswelten sind - heute profitiert davon die AfD.

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