Peter Kern erzählt von einer Kindheit in den 1960er Jahren. Er beschreibt in eindrücklichen Szenen eine dörfliche Welt, die es heute nicht mehr gibt: die Kirmes mit Schießstand, Autoscooter und Schiffsschaukel, die Werkstätten und Läden der Bäcker, Schmiede und Schuster, die Kirchgänge, die das Dorf umgebenden Wälder. Ein Stück Heimatgeschichte im Land der Täter. Und der Landstrich ist alt. Vor zweitausend Jahren kamen die Römer und mit ihnen siedelten sich die Juden an. Die Nazis haben das jüdische Leben ausgelöscht. Dem Führer war der erste "judenfreie Gau" zu vermelden. Der Schullehrer des Dorfs, aufgestiegen zum Gauleiter, hatte ganze Arbeit geleistet. Er wurde von den Dorfbewohnern sehr bewundert, aber später war es opportun, dies zu vergessen. Wie die Namen der ermordeten jüdischen Nachbarn. Was im Stil einer unschuldig erzählten Kindheit beginnt, endet als Aufklärung über das Verbrechen.
Mit diesem Buch legt Peter Kern eine aufrichtige und schonungslose deutsche Dorfgeschichte vor, findet Rezensent Dieter Maier. Der Autor wendet sich darin dem kleinen pfälzischen Ort zu, aus dem er stammt, und deckt dessen Verstrickung in die Verbrechen der Nationalsozialisten auf, indem er von seiner Kindheit in den sechziger Jahren erzählt. Die 78 im Dorf ansässigen Jüdinnen und Juden wurden, wie Maier resümiert, ermordet, Kerns Vater war Leiter einer Schuhfabrik, die die Wehrmacht mit Stiefeln belieferte, und Mitglied der NSDAP. Vom Heimatidyll ist diese Darstellung, so der Rezensent, nicht nur aufgrund ihres aufklärerischen Charakters weit entfernt; auch referiere der Autor auf sein fiktionales Ich nur distanzierend, mit "das Kind" und "der Mann". Historisch fundiert ist die Erzählung laut Maier auch, weil Kern mit einem Chronisten, der die Entwicklung des Dorfes dokumentiert hat, in Austausch getreten ist. Ein Buch über deutsche Gewalt, das der Rezensent empfehlen kann.
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