Habilitation. Die Rolle der Geschichtswissenschaft im Nationalsozialismus und in der Nachkriegszeit ist immer wieder kontrovers diskutiert worden. Die Welt der Mediävistik blieb dabei nahezu unerforscht. Anne Christine Nagels Studie ist die erste umfassende Darstellung der deutschen Nachkriegsmediävistik. Sie zeigt die ungebrochene Kontinuität der bildungsbürgerlichen Eliten und deren instrumentellen Denkstil. Die Wertewelt der nach 1945 amtierenden Professoren hatte sich nach dem Ersten Weltkrieg gebildet und wurde jeweils elastisch den politischen Rahmenbedingungen angepasst. Als "Generation der Sachlichkeit" verfocht sie einen puristischen Positivismus und suggerierte zugleich quellennahe Authentizität. Erst der politische und kulturelle Wandel der sechziger Jahre beendete diesen Einfluss.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 04.07.2006
Beifall zollt Frank-Rutger Hausmann dieser Arbeit über die Mittelalterforschung an westdeutschen Unis zwischen 1945 und 1970, die Anne Christine Nagel vorgelegt hat. Die Autorin widmet sich nach Auskunft des Rezensenten nicht nur den Professoren der mittelalterlichen Geschichte und ihrer institutionellen Verankerung in den Universitäten und anderen Forschungseinrichtungen. Sie beleuchtet auch die Fragestellungen, mit denen sich die Forscher nach 1945 befassten. Deutlich wird für Hausmann, dass letztlich nur Professoren eine breitere Wirkung entfalten konnten, die ihr Fach aus den Verstrickungen mit dem Nationalsozialismus lösten, indem sie neue Fragestellungen und Methoden entwickelten. Er lobt Nagels Habilitationsschrift insbesondere für ihren guten und jargonfreien Stil sowie die spannende Darstellung des Themas.
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