Herausgegeben und aus dem Russischen übersetzt von Gerhard Hacker. Mit einem Essay von Brian Poole. Mit dem "Bocksgesang" debütierte der Petersburger Lyriker Konstantin Konstantinovic Vaginov (1899-1935) als Romanautor. Mittels einer weithin szenischen Darstellung führt Vaginov einen Prozess vor Augen, von dem er selbst in besonderem Maße betroffen war: das Schicksal der Petersburger Intellektuellen, von denen viele in dem Roman wiederzuerkennen sind, und ihre komplexe Entwicklung zwischen Anpassung und Ausgrenzung im sozialistischen Alltag des neuen Leningrad. Diese Entwicklung - der Bruch in oder mit einer Epoche ist in unseren Zeiten wieder ein aktuelles Thema - wird als das gezeigt, was es letztlich für alle ist: eine Tradögie, ein "Bocksgesang" eben.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 12.10.2000
Als "Schlüsselroman" und "geistiges Tableau eines Jahrzehnts" apostrophiert der Rezensent Konstantin Vaginovs ersten Roman "Bocksgesang", um ihm sodann jegliche Tauglichkeit in dieser Hinsicht abzusprechen: "Die Ergiebigkeit seiner `Enthüllungen` ist gering", Vaginov selbst mitnichten als Chronist zu feiern. Wie nun also? Verständlicher wird Gregor Ziolkowski, wenn er schreibt, das Buch entwerfe das Klima und die Kulisse St. Petersburgs im Jahre 1928 - den "schaurig-grotesken Schlusschor" einer im Verschwinden begriffenen Welt -, ohne dabei zum politischen Pamphlet zu werden. "Partikel des Realen" in einem "hochartifiziellen Text", heißt es da. Das allerdings leuchtet ein wie die Sonne.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 23.09.2000
Richtig dankbar ist der Rezensent Thomas Grob dem Verlag Johannes Lang für die deutsche Veröffentlichung dieses 1928 erschienenen Romans von Konstantin Vaginov. Er bezeichnet das Buch als "skurriles Jahrhundertbuch" und lobt es als facettenreich: "Vexierspiel [?], literatur- und kulturgeschichtliches Kaleidoskop oder [?] ironisch-tragische Zeitaufnahme". Auch stilistisch findet Grob den Autor, der in verschiedenen Künstlerkreisen verkehrte (auch dieses Buch spielt in einem Kreis von Künstlern und Intellektuellen), faszinierend: Vaginov nimmt hier Schreibweisen vorweg, "die Jahrzehnte später als `postmodern` gelten werden", schwärmt Grob. Ein besonderes Lob hat er noch für die Übersetzung von Gerhard Hacker sowie für die gesamte Aufmachung der deutschen Ausgabe.
Rezensionsnotiz zu
Die Zeit, 23.03.2000
Begeistert bespricht Olga Martynova eine literarische Wiederentdeckung: "Bocksgesang", 1927 in der Sowjetunion erschienen, wurde seinerzeit als Schlüsselroman gehandelt, in dem etliche Künstler sich und ihre Epoche wiederentdeckten. Das Nachwort der, sagt Martynova, gelungenen deutschen Übersetzung liefert im übrigen den Who`s who der literarischen Szene Leningrads in den 20er Jahren mit. Vaginov starb 1934 an Tuberkulose, sein Buch verschwand in der Versenkung und ist auch in der Sowjetunion erst Ende der 80er Jahre wieder ausgegraben worden. Martynova hält "Bocksgesang" für ein bedeutendes Buch, das "mit präziser Eleganz und unerbittlicher Ironie" weit mehr leistet, als die damalige Künstlerszene zu portraitieren und den politischen Umbruch zu dokumentieren. Es beschreibe das Leben "im Graben zwischen den Epochen", sozusagen ein Jahrhundertgefühl, und das läßt für Martynova "seine Stimme so modern klingen".
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